{"id":1741,"date":"2014-04-03T14:27:12","date_gmt":"2014-04-03T12:27:12","guid":{"rendered":"https:\/\/thinking.holistic-net.de\/?p=1741"},"modified":"2014-04-03T15:24:00","modified_gmt":"2014-04-03T13:24:00","slug":"domestizieren-der-mail-welle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/thinking.holistic-net.de\/?p=1741&lang=de","title":{"rendered":"Domestizieren der Mail-Welle"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1745\" alt=\"Welle_Mails\" src=\"https:\/\/thinking.holistic-net.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Welle_Mails.jpg\" width=\"657\" height=\"443\" srcset=\"https:\/\/thinking.holistic-net.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Welle_Mails.jpg 657w, https:\/\/thinking.holistic-net.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Welle_Mails-600x404.jpg 600w, https:\/\/thinking.holistic-net.de\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Welle_Mails-444x300.jpg 444w\" sizes=\"auto, (max-width: 657px) 100vw, 657px\" \/>Eigentlich ist ein Beitrag zum t\u00e4glichen E-Mail-Schmerz, wie ihn <a title=\"Der t\u00e4gliche E-Mail-Schmerz bei digitalnaiv.com\" href=\"http:\/\/digitalnaiv.com\/2014\/04\/02\/de-der-tagliche-e-mail-schmerz-und-was-erwarte-ich-vom-mail-client-zukunft-aufruf-zur-blogparade\/\" target=\"_blank\">Stefan Pfeiffer<\/a> heute gepostet hat, schon l\u00e4nger f\u00e4llig. Nun will ich wenigstens seinem Aufruf zur Blogparade folgen.<\/p>\n<p>Bei allem Geheule \u00fcber das Thema E-Mail, wir haben z.Zt. keine echte grunds\u00e4tzliche Alternative. Die Aussage, dass die Jugend schon kein E-Mail mehr benutzt, weil alles \u00fcber diverse Instant Messenger l\u00e4uft, ist nicht auf die Gesch\u00e4ftswelt zu \u00fcbertragen. Die These, dass man E-Mail komplett durch Sharing-Mechanismen abl\u00f6sen kann, funktioniert nicht im richtigen Leben, weil nicht in allen Situationen die eine, gemeinsame Plattform existiert, auf der man das tun k\u00f6nnte. Au\u00dferdem kann man sich genauso zu Tode sharen wie man sich zu Tode mailen kann.<\/p>\n<p>Ich beneide Leute, die mir irgendein total simples Konzept der pers\u00f6nlichen E-Mail-Vermeidung erl\u00e4utern. &#8222;Ich brauche kein E-Mail! Macht alles mein Spamfilter! Ich habe 472 Regeln, die sortieren das! E-Mail ist out!&#8220; Ist aber alles propriet\u00e4rer Bullshit und nicht \u00fcbertragbar. Wenn ich im hohen Alter in Canada vor meiner Waldh\u00fctte oder in der Provence in meinem Weinberg sitze, dann brauche ich auch kein E-Mail mehr.<\/p>\n<p>Also geht\u00b4s, wie es Stefan Pfeiffer sehr sch\u00f6n gemacht hat, um eine Analyse der Schmerzfelder und dann um das Optimieren des jetztigen Modells.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Last sind die E-Mails, die ich gar nicht haben will. Der ganze Newsletter-Schrott, den man theoretisch loswerden kann, aber entweder nicht diszipliniert genug tut oder bei dem das <em>Unsubscribe<\/em> den Benutzer erst recht an die Leimrute liefert. Fast jeder Online-Bestellprozess zieht solch einen Kollateralschaden nach sich. Wer dann noch Amazon auf Facebook liked, dem ist nicht zu helfen.<\/p>\n<p>Ein technologisches \u00dcbel ist das Faktum, dass Absenderadressen in unserem E-Mail-Universum beliebig manipuliert werden k\u00f6nnen. Ich w\u00fcnsche mir langfristig meinen E-Mail-Empfang auf solche reduzieren zu k\u00f6nnen, deren Signatur ich explizit traue.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Vielfalt an Social Networking Plattformen bringt &#8211; im Detail konfigurierbar, aber doch nicht wirklich domestizierbar &#8211; eine gigantische Flut von Notifications. In Teilen sind die Notifications in der Content-Darstellung so un\u00fcbersichtlich (da geh\u00f6rt leider auch das liebe IBM Connections dazu), dass es ein Horror ist, darin den Sachverhalt zu identifizieren. Es ist auch ein Unsinn, das pers\u00f6nliche Agieren auf eine Sharing-Plattform umzustellen und dadurch tonnenweise Notifications zu erzeugen.<\/p>\n<p>Das von Stefan Pfeiffer beschriebene manuelle Sortieren spare ich mir seit 20 Jahren. Ich habe zwar auch ein paar verwahrloste Ordner, aber das beamtische Sortieren in einer Ordnerstruktur mit Schachtelungstiefen, die rechts aus dem Bildschirm rausrutschen, war nie mein Ding. Die Volltextsuche m\u00fcsste es hergeben. Was die Notes-Volltextsuche leider nicht tut, zumindest f\u00fcr meinen Anspruch nicht.<\/p>\n<p>Nun zu den L\u00f6sungsoptionen. Intelligent filtern. Intelligent Kontext herstellen. Klingt gut, ist aber ein enorm anspruchsvolles Thema. Und der Beweis, ob es funktionieren k\u00f6nnte, ist offen. IBM Mail Next will es k\u00f6nnen. Microsofts Oslo will es auch k\u00f6nnen. Wenn wir uns aber doch in den letzten 20 Jahren am Thema Enterprise Search die Z\u00e4hne ausgebissen haben, wegen Formaten, Zugriffsrechten, Differenzierung von public und privat und \u00e4hnlichen Malessen, dann nehmen wir jetzt noch alle \u00f6ffentlichen Plattformen dazu und das Ganze cross-enterprise und pl\u00f6tzlich funktioniert das. Onkel Watson wird\u00b4s richten. Und das sind nur die technischen Probleme.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich stellt Google unter Beweis, dass sehr viel gefunden werden kann. Aber unsere Erwartungshaltung bei Google ist nie, dass alles gefunden wird, dass das Richtige gefunden wird, dass man sich darauf verlassen kann. Es ist ein Vorschlag, ein Angebot, aber nicht mehr. Im einem Mail-Next liegt die Messlatte h\u00f6her als bei einer Google Search.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend noch zu Stefan Pfeiffers 10 Paradigmen:<\/p>\n<ol>\n<li>Mail als System of Engagement &#8211; Nehm ich auf in meine Buzzwordliste, klingt gut<\/li>\n<li>Additiv Social Software, Instant Messaging, Audio und Video &#8211; Mit geeigneter Visualisierung nat\u00fcrlich ja.<\/li>\n<li>Embedded Experience &#8211; Lass uns mal mit einem tauglichen File Format Viewer anfangen, aber im Prinzip nat\u00fcrlich ja.<\/li>\n<li>&#8222;Automatisch rechtssicher ablegen&#8220; &#8211; klingt auch gut. Wenn ich dann schreibe: &#8222;Bursche, wir haben noch eine Rechnung offen!&#8220; , dann wird das wegen des Begriffes &#8222;Rechnung&#8220; rechtssicher abgelegt.<\/li>\n<li>Manuelle Ordnersysteme sind <em>out<\/em> &#8211; waren f\u00fcr mich noch nie <em>in<\/em><\/li>\n<li>Automatische Kontexteinblendung &#8211; nat\u00fcrlich ja, wird aber in den Anf\u00e4ngen zu \u00e4hnlichen Schoten f\u00fchren wie Google Translate und birgt die Gefahr des Abschweifens von einem Kontext zum n\u00e4chsten. Thema: Arbeitsdisziplin<\/li>\n<li>Kognitive Systeme im Backend, die uns zum Gl\u00fcck die pers\u00f6nliche Entscheidung nicht abnehmen &#8211; ich lasse mich \u00fcberraschen<\/li>\n<li>Auf allen Mobile Devices &#8211; na klar<\/li>\n<li>Mobile Nutzergewohnheiten f\u00fchren auch zur Verbesserung der klassischen E-Mail-Clients &#8211; da frage ich mich, warum erst ein Mobile Device um die Ecke kommen muss, damit klassische Clients besser werden.<\/li>\n<li>Eigenes Verhalten und Arbeiten verbessern &#8211; da kann ja jeder pers\u00f6nlich dran arbeiten. Wer kreatives Chaos braucht, wird das auch in Zukunft haben k\u00f6nnen. Die Alles-mit-allem-Vernetzung wird noch h\u00e4ufiger dazu f\u00fchren, dass man sich gelegentlich fragt, was man eigentlich tun wollte als man vor einer Stunde auf den ersten Link geklickt hat.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Nun wirklich abschlie\u00dfend: Ich will nicht hoffen, dass die gro\u00dfen Hersteller, nur weil sie die alten Probleme nicht l\u00f6sen konnten, einfach mal neue Ziele ausrufen.<\/p>\n<p>Aber alles wird gut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich ist ein Beitrag zum t\u00e4glichen E-Mail-Schmerz, wie ihn Stefan Pfeiffer heute gepostet hat, schon l\u00e4nger f\u00e4llig. Nun will ich wenigstens seinem Aufruf zur Blogparade folgen. 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