{"id":556,"date":"2013-02-14T16:43:29","date_gmt":"2013-02-14T15:43:29","guid":{"rendered":"http:\/\/wp1117171.wp112.webpack.hosteurope.de\/thinksbtf\/thinking\/?page_id=556"},"modified":"2013-02-14T16:43:29","modified_gmt":"2013-02-14T15:43:29","slug":"aus-einer-anderen-welt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/thinking.holistic-net.de\/?page_id=556&lang=de","title":{"rendered":"Aus einer anderen Welt"},"content":{"rendered":"<p>In meinem Informatikerleben bin ich mit einer Vielzahl von\u00a0 IT-Systemen konfrontiert worden. Es fing gro\u00df an mit Lochkarten und BS2000, es ging weiter mit VM\/370 und PDP-11. Dann kam die Zeit der Ataris und Commodores und der TI 99\/4A. Mit CP\/M und DOS landeten wir in der PC Welt.\u00a0 Mit Apple Lisa startete das Zeitalter der\u00a0 Graphical User Interfaces. Heute gehe ich virtuos mit Windows 7 oder Mac OS um. Manche Mitarbeiter und meine Kinder bezweifeln das mit dem virtuos manchmal, aber sei\u00b4s drum.<\/p>\n<p>Bis Dezember 2010 machte ich allerdings um den Olymp der IT-Kunst immer einen gro\u00dfen Bogen. War es Angst, \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Respekt, das Wissen um die Limitierung meiner intellektuellen M\u00f6glichkeiten oder einfach nur Schicksal. Der Olymp blieb immer in der Ferne, eine N\u00e4herung vielleicht \u00fcber Connectoren oder im ehrfurchtsvollen Gespr\u00e4ch am Stammtisch. Erst ab dem dritten Rotwein, wagte ich den Namen des Olymps in den Mund zu nehmen. Technologisch blieben all meine Desktop-Rechner und Notebooks \u00fcber die Jahre aber frei von Installationen dieser mystischen Kr\u00f6nung der IT. Nun habe ich aber endlich die Himmelspforte ge\u00f6ffnet. Aber welche? Nicht Lotus Connections Ultimate Release, nicht Lotus Notes 10.0, nicht Facebook 3D, nicht Windows Beyond und nicht SharePoint Katar.<\/p>\n<p>Es ist das SAP GUI: ein Wahnsinn. Ich habe es ehrf\u00fcrchtig in eine VMware gebettet. Der Juwel der GUIs soll nicht durch das niedere Volk der IT-Software bel\u00e4stigt werden. Wie es sich f\u00fcr die Kr\u00f6nung geh\u00f6rt, war der Weg mit kleineren H\u00fcrden gespickt. Zuerst Firewall-Restriktionen, dann eine untaugliche ID, dann eine abgelaufene ID, dann eine ID mit zu wenig Rechten, dann gibt es den Server nicht mehr. Mein vollstes Verst\u00e4ndnis. Es muss eine Selektion der Pilger auf den Olymp stattfinden. SAP GUI ist nicht f\u00fcr das gemeine Volk geschaffen. Wo k\u00e4men wir hin, wenn jeder durch Ber\u00fchrung eines Touch-Screens mit seinem schmutzigen Finger in das System k\u00e4me.<\/p>\n<p>Nun bin ich endlich drin. Ich bin fasziniert vom ersten intuitionsfreien GUI in meinem User-Dasein. Vorbei dieses Anbiedern an den Consumer das Apple und Microsoft unter dem Stichwort \u201eUsability\u201c bis zum Erbrechen praktizieren. Selbst IBM versucht ja schon diesen Pfad des tumben Volkes einzuschlagen, wo IBM doch eigentlich zu H\u00f6herem geboren ist.<\/p>\n<p>Stattdessen erhalte ich den Geheimtipp vom Kunden: \u201eGeben Sie \u2018se37\u2018 ein!\u201c. Das ist doch mal ein Wort. Endlich wieder Herrschaftswissen. Meine Kinder und diese jungdynamischen Mitarbeiter haben gl\u00fccklicherweise keine Ahnung von diesem Tipp. Haha, der Alte wei\u00df was, was ihr nicht wisst.\u00a0 Selbst wenn sie\u00b4s w\u00fcssten, es w\u00fcrde nichts nutzen.\u00a0 Die Benutzeroberfl\u00e4che gibt keine Geheimnisse preis. Kein Wissen aus der Welt der \u201eDoofen\u201c funktioniert. Ist das ein Link? Nat\u00fcrlich nicht! Sinnfreie Symbolik sch\u00fctzt die geheimnisvollen Datenbest\u00e4nde. Kurze Wege mit der Maus sind out. Ohne Flei\u00df kein Preis. Jegliches bekannte Wording aus der IT-Welt der Normalos ist hinf\u00e4llig. Stattdessen regieren Infotypen.<\/p>\n<p>Manchmal wache ich nachts schwei\u00dfgebadet auf. Im Albtraum war ich wieder beim SAP-GUI-Logon gescheitert. Dann schleiche ich in die K\u00fcche, schalte den Notebook an und tippe im Licht der Maglite die Logon-Daten ein. Wenn es geklappt hat, schleiche ich mit einem n\u00e4chtlichen L\u00e4cheln auf den Lippen wieder ins Bett und schlafe selig weiter. Wehe es klappt mal nicht, dann melde ich mich zur\u00fcck bei den Irdischen und besch\u00e4ftige mich wieder mit Social Media und iPhone Apps.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem Informatikerleben bin ich mit einer Vielzahl von\u00a0 IT-Systemen konfrontiert worden. Es fing gro\u00df an mit Lochkarten und BS2000, es ging weiter mit VM\/370 und PDP-11. Dann kam die Zeit der Ataris und Commodores und der TI 99\/4A. 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