{"id":300,"date":"2013-01-17T17:18:27","date_gmt":"2013-01-17T17:18:27","guid":{"rendered":"http:\/\/wp1117171.wp153.webpack.hosteurope.de\/thinksbtf\/thinking\/?page_id=300"},"modified":"2013-02-26T11:39:16","modified_gmt":"2013-02-26T10:39:16","slug":"amerikaner-in-karlsruhe","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/thinking.holistic-net.de\/?page_id=300&lang=de","title":{"rendered":"Amerikaner in Karlsruhe"},"content":{"rendered":"<p>In der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wurden k\u00fcrzlich Reisef\u00fchrer besprochen, die dem unerfahrenen amerikanischen WM-Touristen existentielle Tipps f\u00fcr den Aufenthalt in Deutschland liefern. Wichtigste Hinweise: \u201eNicht jeder Deutsche tr\u00e4gt eine Lederhose.\u201c \u201eIn der Sauna sitzt der Deutsche nicht mit Badehose.\u201c \u201eUm 20.00 Uhr guckt jeder Deutsche Tagesschau.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"4_2006\" src=\"http:\/\/wp1117171.wp112.webpack.hosteurope.de\/thinksbtf\/thinking\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/4_2006.jpg\" width=\"572\" height=\"76\" \/><\/p>\n<p>Auch wird der Amerikaner in einem Buch \u201eCulture Shock\u201c davor gewarnt, Deutsche \u00fcberm\u00e4\u00dfig freundlich zu begr\u00fc\u00dfen. Deutsche seien von Natur aus einfach keine sonnigen Frohnaturen. Witze erz\u00e4hlen ist Harald Schmidt oder betrunkenen Deutschen vorbehalten.<\/p>\n<p>Die DNUG-Konferenz in Karlsruhe war eine der letzten fu\u00dfballfreien Veranstaltungen vor Beginn der WM. Sie stand in Kooperation mit IBM unter dem Titel \u201eTechnical Forum 2006\u201c. Da es sich praktisch um eine \u201ekleine\u201c Lotusphere f\u00fcr Deutschland handelt, war IBM mit einem beachtlichen Tross hochkar\u00e4tiger Amerikaner vor Ort.<\/p>\n<p>Ob den IBM-Amerikanern auf der DNUG die lebenswichtigen Hinweise aus Reisef\u00fchrern bekannt waren, entzieht sich wiederum meiner Kenntnis. Gewisse kulturelle Differenzen waren allerdings zu beobachten.<\/p>\n<p>Gleich beim Einchecken im Hotel sprang mir eine amerikanische IBM-Mitarbeiterin an der Rezeption im \u201eDress Code: Wohlf\u00fchlen\u201c ins Auge. Eine extrem bequeme Pyjamahose in den Vereinsfarben des FC St. Pauli (was ihr sicher nicht bewusst war), kombiniert mit diversen bunten T\u00fcchern und Sandalen, wiesen sie auch ohne Nachschlagen im Reisef\u00fchrer als Amerikanerin aus. Der Amerikaner unterscheidet ganz deutlich, ob er im Dienst ist oder nicht. Sie war nicht im Dienst.<\/p>\n<p>Bei solchen Veranstaltungen mit IBM jagt ein Dinner das n\u00e4chste. Am Abend des ersten Konferenztages folgte auf einen IBM Business Partner Roundtable mit Buffet nahtlos das gemeinsame VIP-Dinner von DNUG und IBM. Leicht gehetzt erschienen die Amerikaner mit Versp\u00e4tung vor dem Dinner-Saal. Mike Rhodin und seine Kollegen waren sichtlich irritiert, als dort keine Platzanweiserin mit Teilnehmerliste stand und die deutschen G\u00e4ste sich eher unsortiert zeigten. Als Ersatzhandlung initiierte er dann ein kollektives H\u00e4ndesch\u00fctteln in Form der Begr\u00fc\u00dfung zweier Fu\u00dfballnationalmannschaften. Hymnen gab es keine. Auch mir stellte er sich brav als \u201eMike Rhodin\u201c vor. Ich sagte lediglich: \u201eI know\u201c, was vermutlich wieder nicht in die Etikette passte und das Zeremoniell ins Stocken brachte.<\/p>\n<p>Drinnen war dann mit Tischk\u00e4rtchen alles vorbereitet. Tischk\u00e4rtchen sind hilfreich bei Familienfeiern und bei Festivit\u00e4ten mit Amerikanern. Dann hat alles seine protokollarische Ordnung. Leider waren mir aufgrund\u00a0 der\u00a0 Tischk\u00e4rtchenzuordnung im\u00a0 weiteren\u00a0 Verlauf des Abends nur noch innerdeutsche Kulturvergleiche erlaubt. Hessen, Franken, Schwaben, Bayern. Ich denke, dass die amerikanischen Freunde an den Nachbartischen auch ohne Reisef\u00fchrer klargekommen sind, schlie\u00dflich waren an jedem Tisch welterfahrene VIPs zur Konversationsf\u00fchrung platziert.<\/p>\n<p>Gelegentliche Lachsalven deuteten darauf hin, dass entweder die amerikanischen Frohnaturen die deutschen Gr\u00fcbler aus ihrer Dauerdepression rei\u00dfen konnten oder dass das eine oder andere alkoholische Getr\u00e4nk die Deutschen gelockert hat. Es wurden jedenfalls Witze erz\u00e4hlt (Harald Schmidt konnte ich nicht erblicken).<\/p>\n<p>Ich freue mich jedenfalls auf die Fu\u00dfball-WM und hoffe, dass alle G\u00e4ste entweder einen Reisef\u00fchrer studiert haben, der weniger Klischees bedient, oder die Sache ohne Reisef\u00fchrer auf sich zukommen lassen. Ich bin dann auch bereit, noch mal \u00fcber meine Klischees, was Amerikaner betrifft, nachzudenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"http:\/\/wp1117171.wp112.webpack.hosteurope.de\/thinksbtf\/thinking\/?page_id=302\" rel=\"attachment wp-att-759\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Glosse_Pfeil\" src=\"http:\/\/wp1117171.wp112.webpack.hosteurope.de\/thinksbtf\/thinking\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Glosse_Pfeil1.jpg\" width=\"129\" height=\"17\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wurden k\u00fcrzlich Reisef\u00fchrer besprochen, die dem unerfahrenen amerikanischen WM-Touristen existentielle Tipps f\u00fcr den Aufenthalt in Deutschland liefern. 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