{"id":277,"date":"2013-01-17T17:11:43","date_gmt":"2013-01-17T17:11:43","guid":{"rendered":"http:\/\/wp1117171.wp153.webpack.hosteurope.de\/thinksbtf\/thinking\/?page_id=277"},"modified":"2013-02-22T11:02:52","modified_gmt":"2013-02-22T10:02:52","slug":"perfektion-und-leidensfahigkeit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/thinking.holistic-net.de\/?page_id=277&lang=de","title":{"rendered":"Perfektion und Leidensf\u00e4higkeit"},"content":{"rendered":"<p>Selbst mit zwanzig Jahren Berufserfahrung komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Immer wieder stelle ich fest, dass die Perfektions\u00adaura, mit der sich die IT-Industrie umgibt, mit der bodenst\u00e4ndigen Umsetzung in der Praxis nichts zu tun hat. Weit verbreitet ist das Vorurteil, dass es kleineren und mittleren Unternehmen nicht gelingt, eine vielversprechende Technologie in Szene zu setzen. Ich aber wundere mich um so h\u00e4ufiger \u00fcber die Diskrepanz von Theorie und Praxis, je gr\u00f6\u00dfer die Unternehmen und Dienstleister sind. \u00dcber skurrile Benutzerschnittstellen m\u00f6chte ich an dieser Stelle gar nicht sprechen, subjektive Beurteilungen liegen zu nahe. Desolaten Installationsroutinen von Herstellern aller Gr\u00f6\u00dfenordnung stellen wir uns mit sportlichem Ehrgeiz, selbst wenn sich diese am Rande der Unversch\u00e4mtheit bewegen. Jedoch eine Kleinigkeit im Vergleich zu den Abgr\u00fcnden, die sich in vielen IT-Bereichen auftun.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"8_2004\" src=\"http:\/\/wp1117171.wp112.webpack.hosteurope.de\/thinksbtf\/thinking\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/8_2004.jpg\" width=\"571\" height=\"76\" \/><\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise ist die Leidensf\u00e4higkeit aller Beteiligten fast grenzenlos. K\u00fcrzlich habe ich einen Bankberater bei der Arbeit mit seinen Beratungsprogrammen beobachtet. Es interessierte mich deshalb, weil ich wei\u00df, dass die Software viele Millionen von Euros gekostet hat. Es war bemerkenswert, wie beharrlich das Produkt, neben anderen kleinen Misslichkeiten, Optionen ausdruckte, die vor\u00adher mehrfach abgew\u00e4hlt wurden. Der Kunde ging mit modern anmutenden Ausdrucken einschlie\u00dflich handschriftlicher Korrekturen nach Hause. Das soll wohl die menschliche Komponente im Bankgesch\u00e4ft unterstreichen. Nun \u2013 mich wundert es nicht, dass stundenlange Ausf\u00e4lle von Geldautomaten bei Software-Updates schon fast zur Tagesordnung geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Noch etwas zum sportlichen Ehrgeiz. Die FIFA bereitet sich derzeit offenbar mit Unterst\u00fctzung des Internet-Giganten Yahoo auf die WM 2006 vor. Dazu geh\u00f6rt der Konf\u00f6derations-Cup im n\u00e4chsten Sommer, bei dem alles vorab in \u201ekleinem Rahmen\u201d getestet werden kann, unter anderem das Ticketing-System. Mein Urteil zur Generalprobe: H\u00fcbsch anzusehen, funktional voll daneben. Beindruckend ist lediglich, dass jeder zweite Satz mit dem Trademark-Zeichen versehen ist. Vermutlich d\u00fcrfen wir bald nicht mehr \u201eGuten Morgen\u201d sagen, ohne an Herrn Blatter Lizenzgeb\u00fchren zu zahlen. Die Technik: Der Server ist so gut wie nie erreichbar, und wenn, dann bricht er den Buchungsvorgang mit wilden Fehlermeldungen ab. Wie ein Wunder werden trotzdem obskure Best\u00e4tigungen versandt, die jedoch nichts dar\u00fcber aussagen, ob und welche Bestellungen tats\u00e4chlich gelungen sind. Tolle FIFA, super Yahoo.<\/p>\n<p>Das erinnert ein wenig an die fr\u00fcheren Jahre der Lotusphere, als noch 10.000 Leute nach Orlando pilgern wollten und das System durch die Anmeldungen in den ersten Stunden heillos \u00fcberlastet war. Trotz allem: Viel Spa\u00df bei der WM!<\/p>\n<p>Vielleicht liegt die fragliche Qualit\u00e4t von einigen Software-An\u00adwen\u00addun\u00adgen daran, dass \u2013 wie ich k\u00fcrzlich in einer Studie gelesen habe \u2013 nur zw\u00f6lf Prozent der Bev\u00f6lkerung Lust haben, zur Arbeit zu gehen. Man stelle sich das in einer Textaufgabe vor: Bei Yahoo arbeiten 100 Leute und programmieren eine Website f\u00fcr Herrn Blatter, den Gottvater des Fu\u00dfballs. Von den 100 Programmierern haben 88 keine Lust zum Arbeiten. Welche Auswirkung hat das auf die Funktionalit\u00e4t der Website? Ist dann nicht schon viel erreicht, wenn man \u00fcberhaupt versuchen kann, ein Ticket zu ordern? Seitdem ich diese Studie gelesen habe, bin ich immer am Rechnen, wenn ich in Kundenmeetings sitze. Falls ich zu diesem Zeitpunkt Lust zum Arbeiten habe, sind die zw\u00f6lf Prozent bereits ausgesch\u00f6pft. Ich muss statistisch davon ausgehen, dass meine Gespr\u00e4chspartner eigentlich \u201ekeinen Bock\u201d haben. Wie sollen wir da den Wirtschaftsaufschwung schaffen?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"http:\/\/wp1117171.wp112.webpack.hosteurope.de\/thinksbtf\/thinking\/?page_id=279\" rel=\"attachment wp-att-759\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Glosse_Pfeil\" src=\"http:\/\/wp1117171.wp112.webpack.hosteurope.de\/thinksbtf\/thinking\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Glosse_Pfeil1.jpg\" width=\"129\" height=\"17\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbst mit zwanzig Jahren Berufserfahrung komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Immer wieder stelle ich fest, dass die Perfektions\u00adaura, mit der sich die IT-Industrie umgibt, mit der bodenst\u00e4ndigen Umsetzung in der Praxis nichts zu tun hat. 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