{"id":266,"date":"2013-01-17T17:08:22","date_gmt":"2013-01-17T17:08:22","guid":{"rendered":"http:\/\/wp1117171.wp153.webpack.hosteurope.de\/thinksbtf\/thinking\/?page_id=266"},"modified":"2013-02-22T10:25:02","modified_gmt":"2013-02-22T09:25:02","slug":"266-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/thinking.holistic-net.de\/?page_id=266&lang=de","title":{"rendered":"Vom Mail-Kollaps und anderem"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin Optimist. Deswegen ber\u00fchrten mich Spam-Mails in der Vergangenheit nicht wirklich. Es gen\u00fcgte, zwei- bis dreimal t\u00e4glich die L\u00f6schtaste zu bet\u00e4tigen und weg war der unbedeutende Kleinkram. In den letzten Monaten jedoch musste ich nicht nur meine Meinung \u00e4ndern, sondern habe regelrechte Panikattacken entwickelt. Ausl\u00f6ser war der Anblick des exponentiell steigenden Spam-Anteils in meiner Mailbox. Mein Hals bl\u00e4ht sich regelrecht auf, wenn ich \u00fcberschlage, dass 90 Prozent dieses M\u00fclls aus dem Land der unbegrenzten M\u00f6glichkeiten kommen. Sehen sich die Amerikaner doch als Besch\u00fctzer der freien Welt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"2_2004\" src=\"http:\/\/wp1117171.wp112.webpack.hosteurope.de\/thinksbtf\/thinking\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/2_2004.jpg\" width=\"570\" height=\"76\" \/><\/p>\n<p>Diese Spam-Bel\u00e4stigungen symbolisieren nicht nur das Fehlen einer Vertriebskultur. Vielmehr zeigen sie uns die derzeitigen Grenzen der Technik. Fast alle Absender von Spam-Mails bieten fragw\u00fcrdige Dienstleistungen und Produkte an, die niemanden interessieren und keiner angefordert hat. Selbst wenn die Mails nicht gelesen werden, kostet allein der zwangsweise Abruf des Posteingangs mittlerweile eine Unmenge an Zeit und Datentransfer. Von der Gefahr durch Viren gar nicht zu sprechen. Der Ruf liegt nahe, Account-Inhaber vor unerw\u00fcnschter elektronischer Post zu sch\u00fctzen. Insbesondere, da in Deutschland eine entsprechende Gesetzgebung bereits existiert. Offenbar gibt es aber Lobbyisten, die gar kein Interesse daran haben, unsinnige Werbe-Mails zu unterbinden. Zumindest reiben sich alle Provider bei den t\u00e4glichen Spam-Fluten und jedem neuen MyDoom die H\u00e4nde.<\/p>\n<p>Aber, liebe Profiteure, das Blatt kann sich wenden. Die Gefahr droht von zwei Seiten. Man nehme sich ein Beispiel an ehemals leidenschaftlichen und \u00fcberzeugten Handy-Benutzern. Sie haben erkannt, dass sie sich zum Sklaven ihres eigenen Ger\u00e4tes gemacht haben. Daher schalten sie es heute einfach ab und sind mittlerweile bekennende Handy-Hasser. Genauso sind inzwischen die ersten Mail-Totalverweigerer zu entdecken.<\/p>\n<p>Die andere Gefahr besteht darin, dass der weltweite Email-Verkehr in naher Zukunft schlicht und einfach kollabiert oder zumindest zeitweise zum Erliegen kommt. Die Kosten f\u00fcr die Spam- und<br \/>\nVirenabwehr wachsen bei Unternehmen ins Unermessliche. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich Manager erinnern, dass das Gesch\u00e4ftsleben vor vielen Jahren auch ohne E-Mail funktionierte.<\/p>\n<p>Vielleicht kommen auch die P\u00e4pste der Holschuld wieder aus der Versenkung und bringen die gescheiterten Konzepte der Kollaboration jenseits des Mailings wieder ins Rennen.<\/p>\n<p>Nicht nur am Computer droht der Kollaps, sondern auch im Flugreiseverkehr in den USA. Die Sicherheitsma\u00dfnahmen auf amerikanischen Flugpl\u00e4tzen haben inzwischen Dimensionen angenommen, die das Fliegen auf manchen Strecken zeitlich nicht mehr rentabel<br \/>\nmachen. Das f\u00f6rdert den Gedanken an generellen Flugverzicht.<\/p>\n<p>Aktuelles Beispiel: Orlando, Check-In bei United Airlines mit anschlie\u00dfendem Special Screening. Das Einchecken verl\u00e4uft mit einer frappierenden Effizienzlosigkeit von ostentativ schlecht gelauntem Personal. 45 Minuten, um einen Koffer abzugeben, bedeuten 45 Minuten Lebenszeit, die ich weitaus angenehmer verbringen k\u00f6nnte. Ergebnis der Prozedur ist ein vierstelliger Code namens \u201eSSSS\u201c auf der Bordkarte des einen oder anderen Reisenden. Die Pr\u00fcfung erfolgt per Zufallsauswahl, wobei die Wahrscheinlichkeit auff\u00e4llig oft auf Deutsche und Franzosen aus dem alten Europa f\u00e4llt. Frei ins Deutsche \u00fcbertragen mag \u201eSpecial Screening Security Service\u201c hei\u00dfen: \u201eDer Spa\u00df geht los\u201c. Mit einer Arbeitsgeschwindigkeit, wie sie am \u00c4quator um 12.00 Uhr nicht langsamer sein k\u00f6nnte, w\u00fchlen diverse Security-Hilfskr\u00e4fte in Taschen, pr\u00fcfen Schuhe, Hoseng\u00fcrtel und diverse K\u00f6rperteile, um den Fluggast nach einer weiteren Dreiviertelstunde in Richtung Gate zu entlassen.<\/p>\n<p>Kaum sitze ich im Flugzeug, ist der n\u00e4chste Kollaps in Sicht. Diesmal geht&#8217;s um Datenschutz und Staatssouver\u00e4nit\u00e4t. Fast beil\u00e4ufig verlauten die Zeitungen, dass das Europ\u00e4ische Parlament den amerikanischen Beh\u00f6rden schnell mal den Zugriff auf alle Fluggastdaten der europ\u00e4ischen Fluggesellschaften genehmigt hat. Ich bin in der europ\u00e4ischen Juristerei nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig bewandert und ma\u00dfe mir kein Urteil an. Aber ich frage mich, ob die Abgeordneten in Br\u00fcssel und Stra\u00dfburg nicht weit \u00fcber ihre Kompetenz hinausgeschossen sind.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich bedeutet diese Bereitstellung pers\u00f6nlicher Daten eine \u00fcberfl\u00fcssige Kapitulation der europ\u00e4ischen Staatssouver\u00e4nit\u00e4t vor der amerikanischen \u00dcberwachungswut. Europ\u00e4ische Beh\u00f6rden sind durchaus in der Lage, alle notwendigen Sicherheitsma\u00dfnahmen durchzuf\u00fchren, zumal man hierzulande auch Hamburg von Homburg unterscheiden kann.<\/p>\n<p><i>Nachtrag, November 2008: Mit der Ank\u00fcndigung der Nutzung von Nacktscannern haben wir eine neue Ebene erreicht. Die Dinger werden kommen, auch wenn man jetzt erst mal beschwichtigt. Meine Prognose: Im Jahr 2015 sitzen wir nackt im Flugzeug. Wegen vorheriger Darmsp\u00fclung bitte 120 Minuten vor Abflug am Check-In einfinden.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"http:\/\/wp1117171.wp112.webpack.hosteurope.de\/thinksbtf\/thinking\/?page_id=267\" rel=\"attachment wp-att-759\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Glosse_Pfeil\" src=\"http:\/\/wp1117171.wp112.webpack.hosteurope.de\/thinksbtf\/thinking\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/Glosse_Pfeil1.jpg\" width=\"129\" height=\"17\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin Optimist. Deswegen ber\u00fchrten mich Spam-Mails in der Vergangenheit nicht wirklich. Es gen\u00fcgte, zwei- bis dreimal t\u00e4glich die L\u00f6schtaste zu bet\u00e4tigen und weg war der unbedeutende Kleinkram. 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