{"id":209,"date":"2013-01-17T13:58:37","date_gmt":"2013-01-17T13:58:37","guid":{"rendered":"http:\/\/wp1117171.wp153.webpack.hosteurope.de\/thinksbtf\/thinking\/?page_id=209"},"modified":"2013-02-20T15:32:13","modified_gmt":"2013-02-20T14:32:13","slug":"theorie-und-praxis-im-projektgeschaft-top-down-oder-bottom-up-oder-doch-lieber-freifliegend-rotierend","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/thinking.holistic-net.de\/?page_id=209&lang=de","title":{"rendered":"Theorie und Praxis im Projektgesch\u00e4ft: Top-down oder Bottom-up \u2013 oder doch lieber freifliegend rotierend"},"content":{"rendered":"<p>In unserem Business muss man eine (und nur eine) feste, unumst\u00f6\u00dfliche Meinung zu allen Dingen des Lebens haben. Denn im Projektgesch\u00e4ft der IT-Branche wurde weder der Pluralismus, noch die Dialektik und schon gar nicht der pers\u00f6nliche Zweifel erfunden. Wir haben absolut deterministisch zu sein: Alles ist klar, alles ist eindeutig, es gibt nur einen Weg. Und was das Wichtigste ist: Wir kennen diesen Weg.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"5_2001\" src=\"http:\/\/wp1117171.wp112.webpack.hosteurope.de\/thinksbtf\/thinking\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/5_2001.jpg\" width=\"572\" height=\"76\" \/><\/p>\n<p>Am Anfang eines Projektes steht immer der Anforderungskatalog. Er ist exakt, verbindlich und unumst\u00f6\u00dflich. Heilig, sozusagen. Er ist die Addition aller Weisheiten, die am gr\u00fcnen Tisch zusammengeflossen sind.<\/p>\n<p>Der Leistungskatalog kann von Top-down-Denkern erstellt worden sein, dann ist er besonders weise. Er kann aber auch von Bottom-up-Streetworkern zusammengestellt worden sein. Dann trifft er die Realit\u00e4t oft besser, steht aber manchmal unter dem Motto: \u201eAnarchie ist machbar!\u201c<\/p>\n<p>Manchmal gleicht der Anforderungskatalog mitsamt seiner Verabschiedung einer Zangengeburt. Dann leidet er unter Quetschungen und \u00dcberreife. Die Entscheider jedenfalls f\u00fchlen sich rundum sorglos, wenn er verabschiedet ist.<\/p>\n<p>Nach der Freigabe darf dann endlich \u201erichtig gearbeitet\u201c werden: Die Entwickler kommen aus den Startl\u00f6chern. Der Projektmanager versucht, den Flohzirkus im Griff zu behalten. Ein Aha-Effekt jagt den anderen, die Nebel lichten sich. Einige mit Zittern erwartete H\u00fcrden fallen um wie ein Kartenhaus, andere konzeptionelle Fallen tauchen auf und bereiten allen Beteiligten schlaflose N\u00e4chte. Mancher Anforderungskatalog zerbr\u00f6selt unter der Last der Realisierungspraxis. Flexibilit\u00e4t und \u00dcberblickwahren sind im Projektgesch\u00e4ft die gefragtesten F\u00e4higkeiten. Mein Aufruf lautet daher: \u201eGebt der evolution\u00e4ren Software-Entwicklung eine Chance!\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr das Projektziel sollte ein gewisser Spielraum definiert und anschlie\u00dfend mit vereinten Kr\u00e4ften darauf zugearbeitet werden. Das bedingt allerdings Fairness und Vertrauen auf allen Seiten. Der Kunde sollte mit seinen \u00c4nderungsw\u00fcnschen nicht den Rahmen des\u00a0 M\u00f6glichen sprengen. Weihnachten ist nicht alle Tage. Der Dienstleister wiederum darf den Kunden mit der Bemerkung: \u201ePuste\u00adkuchen, das steht so nirgends im Anforderungskatalog!\u201c nicht vor den Kopf sto\u00dfen. Verantwortliche in der Rechtsabteilung und Controller m\u00f6gen bei diesem Vorgehen leichte Magen\u00adschmerzen erleiden, aber die Welt ist eben manchmal komplexer, als es Vertr\u00e4ge und Pl\u00e4ne darstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich will damit nicht einer anarchistischen Softwareentwicklung das Wort reden, aber unsere Kreativit\u00e4t leidet oft zu sehr unter dem W\u00fcrgegriff des Projektplanes. Wir ben\u00f6tigen wieder mehr Freiraum f\u00fcr unsere Ideen. Nur so erzielen wir gemeinsam die besten Ergebnisse. Wenn zu Projektschluss ein Ergebnis entsteht, das alle begeistert, kr\u00e4ht doch kein Hahn mehr nach dem Anforderungskatalog.<\/p>\n<p>PS: Diese Glosse entstand \u00fcbrigens w\u00e4hrend eines Meetings, in dem z\u00e4h um einen seit Wochen in den letzten Z\u00fcgen liegenden Anforderungskatalog gek\u00e4mpft wurde. Irgendwie musste die Zeit sinnvoll genutzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In unserem Business muss man eine (und nur eine) feste, unumst\u00f6\u00dfliche Meinung zu allen Dingen des Lebens haben. Denn im Projektgesch\u00e4ft der IT-Branche wurde weder der Pluralismus, noch die Dialektik und schon gar nicht der pers\u00f6nliche Zweifel erfunden. 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