Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub

Le Gurp 026Bevor die Urlaubserfahrungen wieder verblassen, seien zumindest die technologisch relevanten Fakten kurz zusammengefasst. Im Groben drehen sie sich um das Thema „SmartPhone im Urlaub“.

  • iPhone 6 ist für Camping Urlaub vollkommen ungeeignet. Der Kampf gegen den roten Ladestand-Balken mit ständigen Wechsel in Flugmodus und ähnlichen Tricks zermürbt. Vielleicht sind Camper auch nicht die von Apple intendierte Zielgruppe. Der Hinweis eines Freundes: „Verdien‘ mehr Geld, dann kannst du dir ein Hotel leisten. Dort gibt´s Steckdosen.“
  • Der Versuch, das iPhone im stehenden Auto zu laden nervt auch, weil man alle 10 Minuten hin muss, um den Start-Knopf wieder zu drücken. Eine Always-On-Buchse hat mein jetziges Auto leider nicht, warum auch immer. Laut oberflächlich validierter Berechnung eines diplomierten Physikers in unserem Hause könnte ich das iPhone ca. 150 mal laden und die Karre würde dann immer noch anspringen. Aber der Hersteller will wohl die Batterie davor schützen, dass der schlaue Camper seinen 2m-hohen Getränkekühlschrank an den Zigarettenanzünder anschließt.
  • Ähnlich wie bei den PET-Flaschen, wo die Politik auch nicht die Absicht hatte mit dem PET-Flaschensammler ein neues Berufsbild zu schaffen, schafft Apple das Berufsbild „Ladegerät-Bewacher am Waschhaus“. Kinder passen für kleines Geld auf Ladegerät plus Handy auf. 50 Cent muss einem das schon mal wert sein.
  • Die Nutzung des WLAN auf dem Platz entlastet den Telekom-Week-Pass bzw. das Datenvolumen, aber ist natürlich auch nicht geschenkt. Für die 5-köpfige Familie wären das 150€ für 2 Wochen.

Am Schluss landet man dann wieder beim Tipp mit dem Mehr-Geld-Verdienen. Ich will´s mal versuchen.

 

Innovationshürden in der Automobilindustrie

Div 019Smartphonekopplung in einem nagelneuen VW Tiguan sollte im Jahr 2015 anders funktionieren. Heute morgen verbrachte ich geschlagene 15 Minuten im neuen Auto meiner Kollegin um mein iPhone einzubuchen. Herr Winterkorn, falls Sie mal in die bodennahe Sphäre des Autofahrers hinabtauchen möchten, ich hätte da ein paar Hinweise:

  • In einem VW Tiguan Baujahr 2015 erwarte ich eine intuitive Benutzerführung des Einbuchens über den Navi-Bildschirm, anstatt das Gefummel an Knöpfen links und rechts am Lenkrad.
  • Ich erwarte, dass mein iPhone bei eingeschaltetem Bluetooth sofort gefunden wird und nicht erst im 15. Versuch.
  • Ich erwarte keine Schnitzeljagd bei der Bestätigung des Passcodes. In meinen ersten 20 Versuchen wurde der immer kurz angezeigt und war dann wieder weg. Danach erschien sinngemäß die Meldung: „Kopplung nicht möglich „.

Nur weil mir vom gleichen System in einem Tiguan Baujahr 2011 bekannt war, dass das zickig ist, habe ich überhaupt so lange versucht das Handy einzubuchen.Ein anderer mag da aufgeben und wie gehabt mit dem Handy am Ohr durch den Straßenverkehr marodieren.

Mir ist bekannt, dass die Innovationszyklen im Automobilbereich sehr lange sind. Was heute neu erfunden wird, kommt in 10 Jahren in die Produktion und somit zum Verbraucher. Dass die Dame bei der Autoübergabe dann voller Stolz auf einen USB-Anschluss hinweist, der aus der Mittelkonsole baumelt, muss da schon als atemberaubend bezeichnet werden. Dass es VW nicht schafft, in den Tiguan ein erheblich besseres Navi einzubauen, das in anderen VWs wie z.B. dem Golf schon verfügbar ist, frustriert mich allerdings.

Mit dem Smartphone durch Brasilien

Alles 2009Auf Grund meines fast biblischen Alters habe ich noch eine Reiselogistik in Erinnerung, die angesichts der heutigen Möglichkeit als vorsintflutlich zu bezeichnen ist. Gestützt auf Landkarten, bevorzugt die legendären Michelin-Karten, bewegte man sich durch unbekannte Gegenden. Übernachtungsmöglichkeiten musste man mit langem Vorlauf schriftlich abklären, oder in der Dämmerung nach „Zimmer frei“, „Chambre d’hôtes“ oder „Bed and breakfast“ Ausschau halten. Das war nicht immer von Erfolg geprägt. Ab 23:00 kam es auch mal zu Meinungsverschiedenheiten in der Reisegruppe. Gelegentlich hat man sogar an einer Telefonzelle angehalten, um irgendwem mitzuteilen, wann denn mit der Ankunft zu rechnen ist.

2014 sieht das natürlich alles anders aus und in Brasilien nochmal ein wenig anders als in deutschen Landen. Die heutige, weltweite Erwartungshaltung lautet: Grundsätzliche Verfügbarkeit des Internet, wo immer man sich gerade befindet, mit tauglicher Bandbreite und Flatrate zu Kosten, die nicht ins Gewicht fallen. Der digital native ist über jeder Einschränkung dieses Forderungskataloges genervt.
Selbstverständlich hat jeder ein Smartphone in der Tasche.

Die Netzverfügbarkeit 2G oder 3G ist generell gut in Brasilien. In den Städten ohnehin, aber auch auf dem Land, im tiefsten Bahia, ganz ordentlich. Ich habe nur wenige Situationen mit „Kein Netz“ erlebt. Ich wage mal die These: Die Netzabdeckung ist besser als in Deutschland.
WiFi gibt es in jeder Kneipe und in fast jedem Privathaushalt. Bandbreiten in der Regel zwischen 2MBit und 10 MBit. Außer im Best Western Hotel in Natal waren es immer passwort-gesicherte WiFis. Pragmatischer Höhepunkt: Das Passwort auf dem Deckblatt der Speise-karte. Weitere Erfahrung: Auf Anfrage wird einem das Passwort in Großbuchstaben aufgeschrieben, man muss es aber in Kleinbuchstaben eintippen.
Wenn kein WiFi, dann wird der Telekom WeekPass strapaziert. Das Angebot der Telekom für 14,95€ inkl. 150MB Datenvolumen ist akzeptabel. Wünschenswert wäre natürlich mehr Datenvolumen und billiger. Ich habe 4 oder 5 Weekpässe verbraten, aber meine Familienmitglieder haben auch meinen Personal HotSpot ordentlich benutzt und somit mit an der Datenrate geknabbert. Standardspruch: „Kannst du mal deinen Hotspot anschalten?“.
Eigentlich hatten wir noch einen Mobile Access Point zur Verfügung, den meine Kinder in Canada und den USA genutzt hatten, aber in Brasilien haben wir uns nicht die Mühe gemacht, nach einer günstigen SIM-Card zu recherchieren. Die Erfahrungen in Canada und USA waren auch eher ernüchternd. 3G gibt‘s dort selten, LTE schon gar nicht. So jedenfalls der Erfahrungsbericht meiner Kinder.

Nach der nüchternen Bestandsaufnahme nun die Use Cases.

  • Wie weit werden wir fahren? Wo übernachten wir heute?
    Mit dem Smartphone als Beifahrer in booking.com, 5 Minuten recherchiert, Bewer-tungen durchgelesen, Zimmer gebucht. Fertig ist die Laube bzw. das Nachtlager. Hat immer funktioniert. Die Verlinkung zu den Anfahrtsskizzen im Web ist nicht immer top, aber das liegt an der Programmierung der Web Sites.
  • Wo geht´s lang?
    Smartphone an, Ortung an, Route eingeben und dann immer schön den Anweisungen des Beifahrers folgen. Wenn man sich das vor der Tagesreise überlegt hat und per WiFi die Karten heruntergeladen hat, ist das hochkomfortabel. Zur Not muss es auch ohne Karten gehen. Das Smartphone wird bei der Prozedur allerdings recht warm und der Akku leert sich. Deshalb Lademöglichkeit im Auto bereithalten. Nebenbei gesagt, Google Maps hat Schwächen, wenn die Route nicht komplett asphaltiert ist, was in Brasilien aber nicht ungewöhnlich ist. Das Garmin-Navi war da besser.
  • Wo und wann treffen wir Luiza?
    Sie ist irgendwo in Belo Horizonte unterwegs. Wir sind in der Anfahrt zum Localiza Rental Car Return im gleichen Ort. Natürlich kann man anrufen, aber das ist teuer. Also per Whats App kommunizieren. Klappt bestens.
  • Wer soll noch eine Postkarte bekommen?
    Selfie schießen. In die Touchnote-App gehen. Bildtitel tippen, ein paar salbungsvolle Worte dazu (das kann am längsten dauern, wenn das Gehirn nichts Salbungsvolles hergibt), Adresse tippen. Ab die Post für ca. 1,50€ die Karte. Schöner ist es vielleicht, das Selfie durch ein taugliches Photo zu ersetzen. Selfies von verschwitzten, ungeduschten Urlaubern sind nicht immer schön.
  • Wie erklär ich’s meinen Gästen?
    Der Pousada-Besitzer in Lavras Novas (tiefstes Minas Gerais) macht es am Bildschirm per Google Translate. Er spricht nur Portugiesisch, wir leider nicht. Er tippt eine Willkommensnachricht in Google Translate und zeigt uns stolz die Übersetzung am Bildschirm. Alles klar, alles kapiert, alle lachen. Das Prozedere wiederholt sich, um uns am nächsten Tag auf Pool und Sauna hinzuweisen. Nur die Frage, wo denn seine Schwester in Deutschland lebt, kann er in Facebook nicht ermitteln.

Ob dadurch Reisen weniger spannend ist und diese Spannung eigentlich mit dazu gehören sollte, sei mal dahin gestellt. Vielleicht ist es auch gut so, weil wir uns dann mehr auf die Menschen, die Landschaft, Essen und Trinken und andere analoge Sinnesreize kümmern können. Es sei denn, wir sind die ganze Zeit mit dem Smartphone beschäftigt, um einen der Use Cases abzuarbeiten.

Der erste Kollege mit Fairphone

Fairfone 001Fairfone 002Pünktlich zu seinem Geburtstag konnte der erste Kollege sein Fairphone in Empfang nehmen. Wie er mir erläutert hat, wird es nicht als neueste technische Innovation vermarktet, sondern als soziale Innovation. Wikipedia sagt: „Fairphone is a social enterprise with the aim to develop a smartphone designed and produced with minimal harm to people and planet.“ Auch wenn das nicht in alle Verästelungen der weltweiten supply chain gelingt, so ist es doch ein lobenswerter Ansatz.

Die ersten technischen Erfahrungen:

  • OS Android
  • Gewicht 163 g lt. holistic-net-Küchenwaage
    (zum Vergleich: iPhone 5, 113g)
  • 2 SIM Card Slots
  • Google Apps nicht vorinstalliert
  • 1 installierte App mit dem Titel „enjoy some peace“, mit der man das Smartphone für eine definierte Zeit in den Flugmodus schalten kann und somit seinen eigenen Frieden findet

Lumia 920

Lumia 920 Gewichtsvergleich

Und wieder wird ein Mobile Device ausgepackt. Ich komme mir wirklich vor wie auf den Spuren von Volker Weber, wobei er die Geräte – das muß ich neidlos anerkennen – immer schon ein halbes Jahr vor mir in der Hand hat. Das ist der Unterschied zwischen Tester und schnödem Konsumenten. Das vorliegende Gerät in gelb ist nicht für den Business Betrieb bestimmt. Zusammen bringen die beiden Schmuckstückchen 300g auf die Küchenwaage. Der Löwenanteil geht dabei an das Lumia mit 187g. Ein echtes Brett also. Nach Adam Riese verbleiben dann noch 113g für das iPhone5. Das Lumia kommt ansonsten etwas jugendlicher rüber. Es sagt brav „Los geht´s“ beim Einschalten und „Bis bald“ beim Ausschalten. Zwischen An und Aus fehlt mir zur Zeit leider die passende Micro SIM card. Kleine Nachbestellung bei der Telekom fällig. Danach sehen wir weiter.

Surfen im Ausland

Reduzierte BandbreiteIm Urlaub habe ich mich wieder intensiv mit dem Thema Travel & Surf beschäftigen dürfen. Für Nicht-Telekom-User: Das ist das kostendämpfende Roamingangebot der Telekom für Europa. Wenn das Feature grundsätzlich freigeschaltet ist, bekommt man nach dem Grenzübertritt ein SMS mit den unterschiedlichen Angeboten. Funktiert leider nicht immer. Alternativ SMS an die 7277 oder kostenlos über http:\\pass.telekom.de. Wenn man mehr als 3-4 Tage im Ausland ist, nimmt man das Wochenangebot für 14,95 € mit Flatrate, aber Drosselung nach 100MB Datentransfer. Wenn man ein Notebook und ein SmartPhone mit sich führt, nimmt man es zweimal. Wenn die Familie auch surfen will oder noch iPads und ähnliches dazukommen, nimmt man es x-mal. Das geht dann schon etwas ins Geld. Alternativ denkt man über die clevere Nutzung des persönlichen Hotspots nach.

Was kann man mit 100MB anfangen? Wenn man mit dem Notebook seinem Tagesgeschäft inkl. x-mal Mailbox auf und zu nachgehen will, sind die nach einem Tag oder schneller weg. Wenn man nur surft, hängt es natürlich von dem Datenvolumen ab, das die Websites verursachen. Eine kleine Tabelle für Nachrichten-Junkies, recherchiert nach der Rückkehr im Büro unter Nutzung des Tools „HTTP Watch Basic“ (danke Lukas für den Tool-Tipp), zeigt was ein einzelner Klick verbrät.

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SZ 1,7MB 74 KB 49 KB 25 KB
HAZ 1,3MB 94 KB 64 KB 8 KB
FAZ 1,4MB 68 KB 43 KB 4 KB
Freitag 1,1 MB 43 KB 20 KB 5 KB
Spiegel 1,0 MB 59 KB 10 KB 7 KB
Focus 1,8 MB 102 KB 61 KB 40 KB
Kicker 3,2 MB 155 KB 180 KB 15 KB
11-Freunde 1,1 MB 68 KB 39 KB 11 KB
holistic Ligatipp 0,2 MB 8 KB 38 KB 7 KB

Auf Deutsch: 30 mal Browser auf, Kicker gucken, welcher Trainer entlassen wurde, und die Drosselung schlägt zu.
Zu einer vergleichbaren Recherche für das Smartphone habe ich gerade keine Zeit, wäre aber auch interessant.
Nebenbei gesagt: Von Fernseh-Livestream über Zattoo (unter Nutzung eines Jump Servers in Deutschland) ist abzuraten. Nach ca. 15 Minuten sind die 100MB weg.