Es ist die Vorweihnachtszeit. Alles soll noch fertig werden in 2014, aber die Arbeitskräfte diffundieren nach und nach in Resturlaub. Die Luft wird dünner und kälter. Die Deadline, eines meiner Lieblingsworte, ähnlich martialisch wie Blockbuster, wird verstärkt strapaziert. Begleiterscheinung dieses coolen Anglizismus ist die Bezeichnung EOB – end of business day. Auch cool. „Wann kann ich die Auswertung haben?“ „EOB“. Offen bleibt dann, was der Einzelne so als persönliches EOB sieht. Manche fangen erst gar nicht an, bei den Anderen fällt der Hammer um 16:00, bei manchen geht er um 23:59 nahtlos in den nächsten über. Praktischerweise kann man in der Rolle des Lieferanten immer sagen: „Mein EOB ist 23:59!“ Wenn alle Stricke reißen, sendet man um 23:59 ein cooles Email mit dem Subject „Delivery postponed! EOM“ an den Kunden. Dann kann der sich mit der nächsten coolen, aber nicht unpraktischen Gepflogenheit auseinandersetzen. Die Message braucht er dann auf dem Smartphone eigentlich gar nicht zu öffnen, weil EOM = end of message. Er wird es aber trotzdem tun, weil er dem Braten nicht traut.
BTW ich erinnere mich an ein Gespräch vor gefühlt hundert Jahren im Eisstadion als mich ein Freund fragte, was heißt eigentlich LOC. Ich antwortete lines of code, worauf eine Eishockeyfan neben uns, stramm über der 1,0 Promillegrenze, lallte: Das heißt Lokales Olympisches Committee. Na denn. Hoch lebe die internationale Verständigung, auch unter Termindruck.
Auf der Suche nach einem passenden Bildchen für deadline bin ich auf den obigen Cartoon gestoßen. Ich hoffe Regan verzeiht mir die Verwendung. Der war einfach zu schön.
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cyberport-Lieferung mit Nacharbeit
Kürzlich haben wir eine Rutsche Kleinteile bei CyberPort bestellt. Tastaturen, Mäuse und ähnliches. Leider fehlte in der Lieferung am vergangenen Freitag eine Tastatur. Warenwert 9€. In Lieferschein und Rechnung stehen 3 Tastaturen. Die waren auch bestellt. In der Kiste sind nur zwei. Nun könnte man sagen: „Scheiß der Hund drauf!“. Jeder weitere Aufwand ist ökonnomisch unsinnig. In Mexico hätte man nicht mal nachgezählt, weil man froh ist, dass überhaupt etwas angekommen ist.
Als korrekte Deutsche rufen wir aber bei CyberPort an und fragen, was zu tun ist. Man wird zweidreimal weiterverbunden und kann dann das Malheur beschreiben. Kein Zweifel an unserer Aussage. Der CyberPort EK liegt vermutlich bei 3€. Wir befinden uns nun also schon weit im ökonomisch roten Bereich. Nachlieferung wird wohl kommen.
Nun ruft CyberPort heute an und bittet uns ein Photo von der Kiste mit dem gelieferten Inhalt zu machen. Der Amerikaner würde sagen: „It´s the law!“. Quasi ein Photo von der fehlenden Tastatur oder besser gesagt, ein Photo von nichts. Bei uns steht hin und wieder schon mal eine Kiste etwas länger rum, aber es gab keinen Grund, dass diese Kiste so lange rumsteht. Die Aussagekraft eines Bildes mit zwei anstatt drei Tastaturen in einer Kiste ist mir auch unklar.
Ich weiß jetzt noch nicht, wie die Geschichte weiter verläuft, ob Anwälte auf beiden Seiten eingeschaltet werden, ob es zum Prozess durch alle Instanzen bis zum Europäischen Gerichtshof kommt. Ich muss mich jetzt um ein paar andere Lappalien kümmern. Ich halte die Community hier auf dem Laufenden.
Der Fluch des Einzelgesprächsnachweises
Eigentlich darf hier jeder mit jedem telefonieren solange er will. Bis der Arzt kommt.
Angesichts der auffälligen Monatssumme auf der Rechnung unseres Providers schlug allerdings bei unserer Controlling Chefin gestern die Alarmglocke an. Um eine gewisse Hürde zu erhalten, sind nur die letzten drei Stellen der Telefonnummern in unserem Einzelgesprächsnachweis abgeschnitten. Das Dokument wird auch streng vertraulich behandelt. Mit scharfem Blick identifizierte die Controllerin eine Leipziger Nummer als einen möglichen Grund des Übels. Frage also: Haben wir einen aktuellen Kunden, Lieferanten oder Partner in Leipzig, der 45-, 78- oder gar 121-minütige Telefonate erklärbar macht? NEIN! Also muss der Hund privat begraben sein. Es folgt die vorsichtige Umfrage nach einer neuen Freundin oder einem Freund in Leipzig. Vielleicht die kranke Oma? Alles ergebnislos. „NSA fragen!“ lautet der Tipp. Die Sache bleibt zum Feierabend ungeklärt. Ein Schatten des Misstrauens wabert über unserem Büro. holistic thinking ist angesagt.
Heute morgen, auf dem Weg zum Büro mit dem Fahrrad durch die Laubenkolonie kommt mir der Gedankenblitz. Die Nummer kenn´ ich doch. Das ist doch die Einwahlnummer des Telco-Providers unseres Partners, über die wir z.Zt. fast täglich nervenaufreibende Telcos abwickeln. Entspannt fahre ich den restlichen Weg ins Büro. Die Sonne scheint, der Schatten ist weg. Gruß an die NSA: Wir brauchen eure Dienste nicht.
Gar mächtig ist des Meisters Kraft, wenn er mit dem Bagger schafft.
Manchmal ist der IT Consultant auch plötzlich am Ende seines Lateins. Obwohl die Einkommensteuererklärung eines Baggerführers vermutlich etwas flacher aussieht als die des IT Consultants, so hat der Baggerführer doch eine ganz andere Armlänge und kann dem IT-Spuk ein schnelles Ende bereiten. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage hat ein Bagger im näheren Umfeld unseres Kunden ein Kabel gekappt. Na dann arbeiten wir halt mal in aller Ruhe an dem Excel-Sheet weiter.
PowerShell Motivationsschub
PowerShell-Programmierung ist ja nicht so dolle kreativ, zumindest nicht im grafischen Bereich. Wenn man dann über Stunden einen Zähler verfolgt, fehlt der Spaßfaktor. Nun wissen wir, dass man die ForegroundColor verändern kann. Wenn man dann noch weiß, was Modulo ist und wieviel Farben es gibt und wie man die Berechnung im Quellcode unterbringt, dann kann PS Scripting sogar Spaß machen. Nach meinen Berechnungen wird das mit lindgrün enden. Wow!
Der IT Consultant – Ein toller Typ
IT Consultants sind tolle Typen. Sie treten in den Formen Senior und Junior auf. Manchmal als amerikanisches Derivat auch als Vice President, macht aber letzlich keinen Unterschied. Sie sind mindestens 4 Tage pro Woche auf der Rolle und drehen, dort wo sie auftreten, ganz große Räder. Ganz Große. Sie treten in der Regel morgens früh beim Kunden an, weil man den Tag ja nicht vertrödeln darf. Über Tag jagt dann eine megawichtiges Meeting das nächste. In den Meetings werden Entscheidungen getroffen, die die Welt verändern. Da würden jedem Laien die Ohren schlackern. Zwischendurch wird kontinuierlich noch mit mindestens einem, manchmal aber auch zwei Smartphones hantiert. IT Consultants treten biologisch betrachtet zu 95% in männlicher Form auf, aber eigentlich sind sie geschlechtslos. Es gibt wichtigeres.
Der IT Consultant ist nicht gewerkschaftlich organisiert. Ist ja nicht so ein Weichei wie Lokführer oder Lufthansa Piloten. Er arbeitet mindestens 12 Stunden am Tag, aber mindestens. Noch stolzer ist er, wenn er 13, 14 oder 15 Stunden arbeiten darf. Er ernährt sich von allem was ihm so im Vorbeigehen in die Finger kommt. Ernährungsberatung ist auch was für Weicheier. Wenn er dann tatsächlich am Abend die Räumlichkeiten beim Kunden verlässt, dann hockt er sich im Hotel an die Bar und erzählt allen, die es nicht hören wollen, was für ein toller Typ er ist. Wenn dann auch der Barkeeper nicht mehr zuhören will, geht er auf sein Zimmer und feilt noch etwas an der Präsentation für den nächsten Tag.
Er fährt in der Regel hierzulande einen Audi. Der Junior den 4er, der Senior den 6er, der Vice President den 8er. Hauptsache schwarz. Der Audi ist sowas wie der Blaumann des IT Consultants. Manchmal ist die Autobahn voll davon. A propos Autobahn. Der IT Consultant ist in der Regel auf der linken Spur zu finden. Da hat er einen Pachtvertrag für. Leider muss er sich die Spur mit all den anderen IT Consultants teilen. Aber er hat ja auch eine Lichthupe.
Am Wochenende hat er manchmal Probleme, weil die Frau und die Kinder das nicht die Bohne interessiert, was er über Woche so alles gerissen hat. Wenn er dann ganz frustriert ist, macht er die Präsentation für Montag fertig oder kümmert sich um die Zeiterfassung oder die Spesenabrechnung. Nebenbei gesagt, die Kreditkarte ist mindestens Gold. Mindestens. Im ländlichen Raum hat er auch damit manchmal Probleme. Das liegt aber am ländlichen Raum.
Unterm Strich macht er das alles, weil er der Menschheit etwas gutes tun will. Es ist sozusagen seine moralische Pflicht. Natürlich wird er nebenbei total reich, aber das ist nur Nebensache.
Webex-Kunst
Web Conferences und Desktop Sharing können ja auch im Jahr 2014 noch viel Freude bereiten. Vor allem wenn das volle Programm mit Audio und Video und Teilnehmern in allen Erdteilen praktiziert wird. Im kleineren Rahmen hatten wir das Vergnügen gestern mal wieder. Der erste Versuch lief über Webex. Einem Teilnehmer gelang es ums Verr… nicht den Java-Anforderungen gerecht zu werden. Er konnte einfach nichts sehen. Zum Abschluß des Kommunikationsversuches bot sich das obige Bild. In kunstvoller Perfektion iterierte der Presentation Screen vor sich hin, bis er in den Tiefen des Bildschirms verschwand. Vielleicht ist er immer noch auf dem Weg zum schwarzen Loch. Wir wissen es nicht. Eine Weile habe ich mir aus Angst vor dem Implosionsknall die Ohren zu gehalten. Inzwischen sitze ich wieder ungeschützt vor dem Rechner. Der zweite Versuch lief dann über SmartCloud. Da habe ich wiederum ums Verr… nicht gefunden, wie ich ein Meeting starten kann. Wahrscheinlich liegts an meinem kastrierten Account. Der dritte Weg ging dann erfolgreich über das Sametime Meeting Center unseres potenten Kunden. Ich weiß, es gibt noch 3571 andere Lösungen, die alle besser sind und nix kosten, aber ich hatte keine Zeit diese mit 3 externen Partnern auf die Schnelle auszuprobieren.
Heavy traffic
Projektstress. In Extremsituationen geht dann doch alles über Email trotz Verfügbarkeit von tausend anderen Plattformen. 150 Mails am Tag, 70 Inbound (fast kein Spam, fast alles gelesen, kein bestellter Fake-Traffic) und 50 Outbound, das ist doch eine akzeptable Leistung. Ich weiß, bei den Kollegen von Microsoft oder IBM hängt da noch ne 0 dran, aber die bekommen auch mehr Geld. Für meinen Teil als Kleinunternehmer finde ich das schon ganz OK. Und der Tag ist ja noch nicht zu Ende. Eben hat´s schon wieder gebrummt. Ich mach jetzt mal ne kurze Pause und setze mich auf meine XT500. CU.
Reste der analogen Kommunikation
Apple ist zwar gerade bemüht, die letzten analogen Uhren zu verdrängen, aber es ist doch immer wieder erfreulich, wenn man letzten Puzzlesteinchen des analogen Lebens begegnet. Ein Beispiel aus dem Business-Alltag. Ein lieber Geschäftsfreund saß mir gestern morgen im Büro gegenüber. Wir waren noch ins Gespräch vertieft, aber ich war auf dem Sprung in eine digitale Telco, er auf dem Sprung zum analogen Taxi und auf dem Weg zum Kunden. Die Telco begann, er packte derweil seine Sachen. Dann stand er mit einem rührend analogen Zettel vor mir. Während ich irgendeinem Kunden die Problematik einer Mailmigration erläuterte, fingerte ich 20€ aus meinem Geldbeutel. Den Rest können wir später klären.
Erlebnisse im Bergischen Land
Wie bereits in einem früheren Blogeintrag berichtet, hat die Gegend rund um Remscheid und Wermelskirchen kulturell gesehen eine ganz spezifische Flughöhe. Inzwischen habe ich auch mal das Hotelangebot in Wermelskirchen getestet. Zwei Türen im Hotel (vermutlich allerdings keine regulären Zimmertüren) fielen mir ist Auge. Ein gewisser Skurrilitätsgrad ist dem Service-Angebot in dieser Gegend nicht abzusprechen. Im Moment ist ohnehin Urlaubszeit im Bergischen Land. Das führt allerorten zu mehr oder minder kunstvollen Zetteln an Geschäften, Restaurants und anderen Betrieben mit dem Hinweis auf Service-Einschränkungen. Im Hotel stand an der Tür zur Rezeption der Hinweis: „Die Rezeption ist zur Zeit nicht besetzt. Bitte rufen Sie folgende Nummer an, wenn Sie einchecken möchten!“ Die Antwort am Telefon: „Kommen Sie rein. Ich stehe hinter der Tür.“ Na prima.
Etwas komplizierter gestaltete sich der Bezahlvorgang in einer nahen Gaststube. Bei der Bestellung gab es den Hinweis, dass die Lieferung der Speisen ca. 45 Minuten dauern werde, was dann auch so eintrat. Wir haben das mit ein paar Bieren überbrückt. Vermutlich musste Verschiedenes noch gejagt werden. Hat aber prima geschmeckt.
Höher schlugen die Wellen bei meinen Consulting-Kollegen als die Bedienung jegliche Kartenannahme beim Zahlvorgang verweigerte. Also hieß es Bargeld zusammenkratzen. Von einer tauglichen Bewirtungsquittung war man deutlich entfernt. Mit allen Mühen konnten wir nach 30 Minuten eine Quittung erhalten, die zwar nicht allen Prüfunen standhält, aber als Beigabe zu einem Eigenbeleg sollte sie reichen. Für wohlgemeinte Belehrungen zu sinnvollen Aushängen bezüglich der akzeptierten Zahlungsmittel war der Wirt nicht wirklich zugänglich. Seine Aussage: „Ich brauche euch nicht. Der Laden läuft auch so.“
Vielleicht sind manche Consultants auch nicht so richtig geeignet für den Alltag im Bergischen Land. Da empfiehlt sich der Weg ins weltmännische Köln.