Off-Shore-Freuden

Das Thema IT Services aus Indien oder anderen Off-Shore-Ländern zieht sich wie ein roter Faden durch unser Geschäftsleben. Einerseits erzählen immer mehr große Kunden von ihren Plänen und Erfolgen in Sachen Off-Shore-Outsourcing, andererseits melden sich die lieben Inder oder Philipinos auch bei uns und bieten direkt ihre Leistungen an. Es scheint da noch freie Kapzitäten zu geben. Nordkorea fehlt z. Zt. noch.

Nun geht es bei diesem Thema ja nicht um die Frage, ob Inder und Philipinos  nette Menschen sind oder nicht. Die Inder, mit denen ich bislang zu tun hatte, waren durchweg nette Menschen. Meine Mitarbeiter sind allerdings auch durchweg nette Menschen und möchten ihren Arbeitsplatz gerne behalten. Da muss es doch erlaubt sein, einen Blick auf die Details zu werfen, ohne als Rassist verdächtigt zu werden.

Ich erinnere mich an den Vortrag eines Support Managers, der uns Grafiken mit einer Lösungsquote für Supportfälle von 99,7% im indischen Support Center gezeigt hat. Ein Geschäftskollege meinte nach kurzem Nachrechnen spontan, dass die verbleibenden 0,3% dann offenbar all die von ihm gemeldeten Supportfälle sind. Irgendwie ist der Vortrag dann im Sande verlaufen, weil wir mit unseren Rechnereien nicht auf einen Nenner kamen. Meine Message: Erfolgsquoten beim Support sind vergleichbar mit Wahlergebnissen aus der DDR. Alles nur eine Frage der Rechenkunst.

Auch viele unserer Kunden verlagern die  IT Entwicklung und den Support mehr und mehr nach Asien. Witzige Videos über Verwicklungen mit indischen Home-Office-Support-Centern halten sie nicht davon ab. Wenn wir uns allerdings vom engstirnigen Ziel lösen, dass in Support Centern Probleme schnell und kompetent gelöst werden sollen, dann finden wir auch Spaß im Umgang mit den Off-Shore-Services. Manches Telefonat hat da echte Comedy-Qualität.

Manchem Projektmanager hört ja auch zuhause keiner mehr zu. Da bietet sich das Off-Shore-Development an, weil man dann die Dinge auch gern mal öfter erklären kann, und die Jungs und Mädels hören immer zu. Nebenbei gesagt, nur Warmduscher und Schattenparker versuchen Probleme in der Muttersprache zu klären. Den richtigen Kick bringt erst babylonisches Sprachgewirr in der Telefonkonferenz mit transkontinentaler Echo-Zugabe.

Letzte Woche landete ein indischer Anrufer im Zuge der telefonischen Kaltakquise bei mir. Er dirigierte mich auf die Website seines Unternehmens, wo er mir eindrucksvoll zeigte, dass seine Firma lückenlos alle IT-Gebiete abdeckt. Es gibt nichts, was sie nicht können.  Und billig ist es zudem. Der Anrufer schickte mir umgehend die Tabelle ihrer Rates und vergewisserte sich auch eine Stunde später telefonisch, dass die Email angekommen ist. Das hat wiederum fast den Biss eines britischen Top Sellers. Besonders das Skill Level Junior (0-1 Jahr Berufserfahrung) scheint mir reizvoll. Web Designer oder Quality Engineer für 5$ die Stunde. Meine lieben Kollegen haben mich aber wegen der 0 Jahre Berufserfahrung der Juniors vor übereilten Buchungen gewarnt.  In der Spalte „Berufserfahrung 5 Jahre +“ lässt aber dann mein Interesse etwas nach, weil ich für 3000 $ im Monat plus Reisekosten plus Effizienzeinbußen plus Spefizikationsbedarf in kleinsten Details hierzulande durchaus Alternativen finde.

Ich werde mich wohl weiter mit Off-Shore-Dienstleistern auseinandersetzen müssen, es sei denn ich wechsele den Beruf. Die in XING integrierte Jobbörse funktioniert treffsicher. Es ist frappierend wie gut die Angebote zu meinen Skills und meinem Profil passen:  Vertriebsbeauftragter Großraum Sauerland für die Yellow Strom GmbH oder Filialleiter bei Polster Möbel Fischer in Winhöring. Ich kann mich nur noch nicht entscheiden, zumal ich in beiden Jobs wohl den engen Kontakt zu den Indern verlieren würde.

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