Nervenkitzel, Tränen und technische Überraschungen

Ähnlich wie der frühere Chefredakteur, Herr von Bechen, gibt mir auch die neue Chefredakteurin Frau Coester  gelegentlich Anregungen, welche Themen denn in der nächsten Glosse verabeitet werden könnten. Der aktuelle Hinweis lautete: Es gibt viele tolle Messen im Herbst, z.B. die DMS-Expo. Ich muß leider sagen, dass mir mein Arzt die Teilnahme an der DMS-Expo verboten hat. Sie ist zu aufregend. Ständig der Nervenkitzel, wo kommen die Dokumente her, wo gehen sie hin, wer hat sie wo gespeichert, sind sie überhaupt noch da. Nervenzerreißende Spannung. Mein Arzt sagte nur: „Herr Allmann, sie wissen, ihr Blutdruck, bleiben sie aus gesundheitlichen Gründen diesem Event fern.“  Ich muss dem Alter Tribut zollen und speziell Dokumentenmanagement-Messen jüngeren Kollegen überlassen.

Tränen trieb mir das Lesen eines Interviews mit René Obermann in der Zeit in die Augen. Der arme Tropf beklagt sich darüber, dass die öffentliche Wahrnehmung von Vorstandsvorsitzenden nicht stimme, dass er vor lauter Respekt seinen ehemaligen Aufsichtsratschef Zumwinkel nicht öffentlich mit Vorwürfen konfrontieren wolle, dass die böse EU-Kommission die Telekom zu stark regulieren würde und dass die Wettbewerber nur warten bis die geplagte Telekom jeden Winkel der Republik mit Breitband ausstattet. Danach zwingen die bösen Regulierer die Telekom, die zeckenartigen Provider zur Netznutzung zuzulassen. Im Rahmen unseres Firmenumzuges habe ich gerade gegenteilige Erfahrung gemacht. Die Telekom reitet nach wie vor auf dem Monopolisten-Ross. Wir bekommen nicht genug Leitungen bereitgestellt, d.h. unser Provider bekommt sie nicht, weil es angeblich nicht so viele gibt. Bei der Telekom direkt bekommen wir ausreichend Leitungen, aber eben nur bei der Telekom direkt. Ich nenne das Wettbewerbsverzerrung oder Erpressung. Wenn ich dann versuche den Sachverhalt über die kaskadierten Call-Center der Telekom zu klären, drängt sich mir der Eindruck einer kriminellen Vereinigung auf, mit dem larmoyanten Herrn Obermann an der Spitze und Frau Merkel als Mehrheitseignerin. Ich werde mal eine kleine Anfrage an die EU Wettbewerbswächterin Neelie Kroes senden und fragen, ob diese Praktiken bekannt und sanktioniert sind. In anderen Zusammenhängen habe ich gehört, dass die Telekom für die weißen Flächen auf der Breitband-Landkarte bei  gewerblichen oder privaten Anfragen nach DSL-Anschlüssen einfach keine Angebote mehr macht.  Man kann das offenbar auch aussitzen.

Zum Abschluß noch ein Sprung in das Thema „Technische Überraschungen“. Kürzlich beim Coldplay-Konzert in Hannover stand vor mir ein junger Mann und wollte mit seinem Super-Handy ein Photo von Chris Martin machen, als dieser vor uns über die Bühne fetzte. Er hielt das Handy hoch und drückte auf den Auflöser. Das Entsetzen war groß als er auf das Ergebnis blickte. Er hatte ein Bild von mir gemacht, der ich doch hinter ihm stand. Ich sagte nur: „Na! Neues Handy mit zwei  Objektiven! Dumm gelaufen!“

Freuen wir uns also auf den goldenen Herbst, mit Wirtschaftswachstum, tollen Messen, von Lobbyisten geschützen Monopolisten und Westerwelle beim Fallschirmspringen.

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