Oligarchen, Politiker und kleine Zocker

In einem Werbeschreiben einer Bank heißt es in dieser Woche: „Sie sind der Motor der Wirtschaft – Wir liefern den Treibstoff dazu“.  Das klingt in diesen Tagen etwas frech, da ja der Steuerzahler nun für den Treibstoff bürgen soll. Offenbar ist die Treibstoff-Logistik etwas aus den Fugen geraten. Auffällig ist, dass zur Erläuterung der Missstände der alte Karl Marx und sein kleines Büchlein „Das Kapital“ von Leuten zitiert wird, die eindeutig frei von dem Verdacht sind, das Büchlein jemals gelesen zu haben, oder gar gesinnungsmäßig in die Nähe des Herrn Marx gerückt werden können.

7_2008

Die Welt ist in Aufruhr, weil die Oligarchen den Bogen überspannt haben. Die bösen Buben vom Investment­ Banking – meine Villa, mein Pferd, meine Yacht-,  haben zu viel gezockt.  Nun müssen sie bei den Politikern beichten, damit die ihnen aus der Patsche helfen. Das Problem ist, nur ein klitze­kleiner Teil der Politikerkaste versteht überhaupt, um was es geht.  Unser Bundeswirtschafts­minister Herr Glos gehört zumindest nicht dazu. In der Talkshow bei Anne Will gab er bar jedes Sachverstandes ein jämmerliches Bild ab, während unsere Kanzlerin zeitgleich mit dem Kabinetts­kollegen Stein­brück darüber beriet, wie man den großen Zockern gebührenfrei unter die Arme greifen kann. Herrn Glos haben sie offenbar dazu nicht gebrauchen können. Genauso unbelastet von Fachkenntnis ist vermutlich ein Großteil der Bankvorstände, die nun am Pranger stehen. Ihr Handwerk haben sie gelernt, als das fortgeschrittene Zocken mit dubiosen „Produkten“ noch nicht in Mode war. Aber wem sollen sie nun vertrauen, wenn ihnen selbst der Sachverstand fehlt? Den ethikfreien BWL-Ab­sol­ven­ten, die schon im ersten Semester von der Loft in der Londoner Canary Wharf oder in Manhattan träumen?

Ich selbst besitze keine Aktien und mein Mitleid mit den kleinen Zockern, die allabendlich vor dem Fernsehgerät sitzen und den Börsennachrichten lauschen wie der Lottofee, hält sich in bescheidenen Grenzen. Herr Dressler stellte in der erwähnten Talkshow zu Recht die Frage, wieso der Börse nicht nur jetzt in den Nachrichten solch ein breiter Raum eingeräumt wird, wo doch nur 10% der Bürger Aktienbesitzer sind.

Herr Obermann hat ein anderes Problem. Ihm sind Daten geklaut worden. Armer Kerl. Das Wort Datenklau finde ich schräg. Wenn man etwas klaut, hat es der ursprüngliche Besitzer normalerweise nicht mehr, aber die T-Mobile-Daten sind ja nicht weg, sie sind ja nur breiter gestreut. Ich finde es auch schräg, dass man sich hauptsächlich um die Prominenten Sorgen macht. Ich glaube kaum, dass irgendjemand diese Daten kauft, um die Handynummer von Verona Feldbusch oder Hape Kerkeling herauszubekommen. Wie man kürzlich bei Frau Ypsilanti gemerkt hat, braucht ein Radiosender keinen großen Aufwand zu betreiben, um eine Politikerin ans Handy zu bekommen.

Ärgerlicher finde ich, dass die Masse der Bevölkerung unter solchem Datenklau leidet. Die Daten landen früher oder später bei umtriebigen Callcentern, die uns telefonisch irgendeinen Mist andrehen wollen. An dieser Stelle sind unsere Politiker eher träge in der Regulierung. Das Grundprinzip ist: Der Wirtschaftskriminelle soll erst mal ein bisschen Absahnen. Nach geeigneter Wartezeit schreitet man dann gemächlich ein.

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