An den Grenzen des Personalabbaus in der IT

Vor 10 Jahren lebte die IT in Saus und Braus. Die IT-Abteilungen waren üppig mit Personal ausgestattet. Man war wichtig. Man konnte über jede verrückte Idee diskutieren und nahm sich Zeit, die Dinge gründlich zu erörtern. Auch mittlere IT-Manager hatten Sekretariate, die Ihnen den Rücken freihielten. In Meetings klingelten nur dann Handys, wenn der Besitzer stolz sein neues Gerät präsentieren wollte oder noch nicht wusste, wie man es auf lautlos stellen kann. So zumindest meine persönliche Erinnerung.

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Heutzutage hat sich das Arbeitsklima ins Gegenteil verdreht. Vielleicht ist es eine späte Rache an der überzogenen Rolle der IT in den 90er Jahren und die Strafe für die unzureichenden Ergebnisse, die diese Zeit hervorgebracht hat. Der Hahn wurde uns in allen Belangen zugedreht. Der aktuelle Zustand sieht folgendermaßen aus:  Zum seriösen Arbeiten hat eigentlich kaum jemand Zeit. IT-Manager hetzen wegen zeitlich überlappender Meetings von einem Besprechungsraum zum anderen. Sie führen mindestens zwei mobile Telefongeräte mit sich, die abwechselt bedient werden müssen, und haben kontinuierlich einen Stack von zehn oder mehr Projekten gleichzeitig in Bearbeitung. Die maximale ungestörte Gesprächsdauer ist umgekehrt proportional zur Anzahl der verfügbaren mobilen Telefongeräte im Raum. Während der Meetings werden zudem kontinuierlich Emails abgearbeitet zumindest durch die (Un)Glücklichen, die einen WLAN-Zugang haben.

Ein Sekretariat zu haben ist Privileg des CIO, alle anderen sollen zusehen, wie sie bei Meeting-Belegung rund um die Uhr auch die Organisation dieser Meetings auf die Reihe bringen und nebenbei ein paar fundamentale Projektentscheidungen treffen.

Kürzlich erlebte ich eine Schulung, bei der alle Teilnehmer vor Schulungsbeginn bemüht waren ihren iNotes-Zugang im Schulungsraum zu prüfen. Die Schulung war mehr oder minder eine Farce. Im Rotationsprinzip beschäftigte jeweils ein Teilnehmer den Trainer mit skurrilen Fragen. Die anderen waren mit dem Abarbeiten ihrer Emails beschäftigt oder widmeten sich online ihren Aktienbeständen.

Für die Jahre 2000-2005 war diese Verknappung vielleicht in Ordnung. Man durfte ja auch kaum etwas tun. Innovation war ein Schimpfwort und zur Verwaltung des Stillstands braucht man nicht viele Ressourcen. Glücklicherweise ist es aber wieder angesagt sich zu bewegen. Auch in der IT. Dieses Bewegen will aber professionell getan sein und dazu gehören auch geeignete und ausreichende Personal-Ressourcen. Manche Projekte lassen sich nicht zwischen Tür und Angel strukturieren. Manchmal muss man Dinge ein paar Stunden oder gar Tage diskutieren, um sie seriös auf den Punkt zu bringen. Manchmal muss man sich dafür sogar etwas konzentrieren. Das kostet leider Zeit und Geld.

IBM hat mit der neuen Architektur von Notes 8 plus der Ausrichtung zu den Themen „Social software“ und Web 2.0 eine neue Runde in Sachen Collaboration eingeläutet. Es ist Zeit unter diesen Perspektiven die eigene Softwarelandschaft neu auszurichten und hierzu braucht die IT auch Personal-Ressourcen. In diesem Sinne freue ich mich als IBM Business Partner auf viele Projekte mit Leuten, denen ein bisschen Zeit vergönnt ist, die Dinge gründlich und richtig zu tun.

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