SOA für den Hormonspiegel – die wahre Ausprägung

Mit dem Begriff SOA wird ja viel Schindluder getrieben. Jeder Her­steller entdeckt plötzlich, dass er schon immer nach dem Paradigma der serviceorientierten Architektur entwickelt hat und verkauft sich und seine Produkte als Inkarnation von SOA. Da es bei diesem Hype-Thema im Kern nur um gesunden Menschenverstand geht und dieser der IT-Branche nicht vollends abzusprechen ist, empfinde ich es auch als selbstverständlich, dass sich jeder mit diesem Thema mehr oder minder überzeugend schmücken kann.

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Die wahre Ausprägung von SOA schilderte mir allerdings ein Taxifahrer während der CeBIT-Zeit. Der bedenklich hohe Hormonspiegel vieler männlicher CeBIT-Besucher und des männlichen Ausstellerpersonals sorgt zu CeBIT-Zeiten in Hannover nicht nur für einen „all year peak“ in der Gastronomie, sondern auch für eine kaum zu bewältigende Auslastung im Rotlichtmilieu. Leider war es in diesem Jahr zur CeBIT auch bitter kalt. Besagter Taxifahrer berichtete, dass vor manchen Etablissements beheizte Wartezelte aufgebaut wurden. Der Besucherstrom kann dort vorbereitend bei Laune gehalten werden, und die Hormone frieren nicht ein. Solche Zeltbauten nenne ich die „wahre“ serviceorientierte Architektur. Über SOA-Probleme muss im Zelt nicht diskutiert werden und der ROI lässt sich in einer einzigen kalten Nacht messen. Ein Zweifel am Business Case kommt erst gar nicht auf. Da erblasst doch jeder IT-Berater vor Neid.

Ansonsten musste ich auf der CeBIT immer wieder die gleiche Frage beantworten: „Zufrieden mit dem Messegeschäft?“. Vorab gesagt, ich bin recht zufrieden mit der Kontaktbörse „CeBIT“, wobei ich aber den Ausdruck „Messegeschäft“ dabei nicht strapazieren möchte. Trotz des Lärmpegels konnte ich manch konstruktives Gespräch führen, wenn auch die Konzentration auf das Fachliche manchmal schwer fällt. Ich habe allerdings auf der CeBIT noch nie diese sagenumwobenen Auftragsbücher gesehen, die vor Ort vollgeschrieben werden. Das Reporting an die Messe AG, die abendlich die konsolidierten Umsatzzahlen aller Aussteller an die Presse weitergibt, lief bislang an mir vorbei. Auch habe ich den Messebesucher vermisst, der mit den Worten: „Sie sind meine Rettung, Ihr Produkt habe ich schon seit Jahren gesucht!“ an unseren Stand stürzte.

Stattdessen beschleichen einen Zweifel, ob man als schnöder Software- und Dienstleistungsanbieter zwischen all den Consumer-Pro­dukten und der einhergehenden Reizüberflutung überhaupt wahrgenommen wird. Bei HD-TV-Screens wird die Bildschirmgröße sicher bald in Yards und nicht mehr in Zoll gemessen. Es müssen lediglich noch die passenden Wohnzimmerwände gebaut werden. MP3-Player werden in allen erdenklichen Formen unters Volk gebracht, und Aussteller, denen gar nichts einfällt, lassen das Volk schlicht auf Torwände schießen. Wir sind Deutschland! Somit eignet sich die CeBIT mehr zu Milieustudien als zu Fachgesprächen. Ein überzeugendes Konzept der Messe AG kann ich darin nicht erkennen. Der Minimalkonsens besteht darin, dass alles dargebotene irgendetwas mit IT zu tun hat. Manches nur am Rande.

Der Kernfrage im Messe-Marketing lautet ohnehin: Fußball oder Frauen. Was zieht mehr? Eine laszive Blondine im Minirock, ungeschickt einen Ball malträtierend, das ist doch der absolute Kick für den gestressten Geschäftsmann. Da werden wie bei Uli Hoeneß die Hilfstriebe geweckt. Was soll ich dem Geschäftsmann noch über SOA erzählen?

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