Übergangszeiten

Wir leben in unruhigen Zeiten. Das ist nichts Neues, und sicherlich wiederhole ich mich. Aber es beschäftigt mich, wenn zielstrebige harte Geschäftsmänner zu Zweiflern werden. Und es gibt beinahe täglich einen Anlass dafür.

Zum Beispiel die Eröffnung der Online-Registrierung zur Lotus­phere 2002: In den letzten Jahren war das ein Datum, dem viele entgegengefiebert haben. Denn es ging immer das Gerücht umher, dass – wenn überhaupt – nur die Schnellsten und Schlauesten eine Chance hätten, einen der begehrten Plätze zu bekommen. Der Eingang der elektronischen Confirmation für die gelungene Registrierung kam Baldrian in Eimern gleich.

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Heuer ist es jedoch anders. Das Interesse ist gebremst. Manche argumentieren ihren Verzicht mit betriebswirtschaftlichen Bedenken, einige zweifeln plötzlich am Sinn der Veranstaltung. „Die haben doch schon im Vorjahr gespart, das wird in 2002 noch dünner!“ Andere sind ehrlich: „Milzbrand brauch’ ich nicht!“ oder „Ich fahre mit der Bahn!“ Eine Anmelde-Statistik mit Vorjahrsvergleich würde sicherlich erschreckende Zahlen aufweisen.

Hektische, voreilige Flugbuchungen bei Gesellschaften, die im Januar nur noch auf Urlaubsvideos existieren werden, sind ohnehin nicht anzuraten. Meine Empfehlung: Alles in Ruhe auf sich zukommen lassen.

Dann gibt es noch den ewigen Kampf Exchange gegen Domino. Am Montag flattert mir ein Email in die Box. Eine große bundesweite Institution möchte komplett von Exchange auf Domino umstellen und ruft deswegen alle kompetenten Dienstleister aus den Start­löchern. Also volle Kraft voraus! Erkenntnis: Endlich haben es alle gemerkt. Domino ist besser als Exchange.

Am darauf folgenden Tag versuche ich mit einer Präsentation bei einem anderen Kunden ein CMS-Projekt zu akquirieren und werbe wortreich für Lotus Domino als Basis-Software. Der Geschäftsführer erstickt mit einer „hoffnungsvollen“ Bemerkung alles im Keim: „Domino haben wir gerade herausgeworfen. Der Dienstleister hat das Office-System nicht zum Laufen gebracht und ist jetzt offensichtlich pleite. Wir stellen auf Exchange um!“ Ob meine Rückzugsbemerkung: „Der Domino-Server als CMS-Backend kann brav neben einem Exchange-Server stehen!“ nutzen wird … wer weiß? Jegliche differenzierte Argumentation scheint hinfällig.

Wenn mal nicht gerade die Schlacht Microsoft gegen IBM/Lotus auf der Agenda steht, dann geht es um Websphere oder Domino. Mit dem selbst auferlegten Motto „Wettbewerb und freie Marktwirtschaft in jeder Lebenslage“ wird so mancher Nerv geopfert. Der Adrenalin­spiegel muss hochgehalten werden.

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