Raus aus dem Jammertal!

Katzenjammer allerorten. Jeder weiß es, jeder liest es. Täglich! Die Euphorie im IT-Business hält sich momentan in bescheidenen Grenzen. Daher spare ich dieses Mal mit Kritik an unserer Branche, denn es scheint mir nicht angebracht, noch mehr Öl ins Feuer zu gießen. Die Wirtschaftspresse mischt schon kräftig genug mit und steht der Boulevardpresse an Sensationsgier in nichts nach.

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Bei all den Meldungen über Insolvenzen, Gewinnwarnungen, Wachstumsrückgänge, schlechte Auftragslagen und andere betriebswirtschaftliche Desaster geht vollkommen unter, dass die meisten IT-Unternehmen nach wie vor gute Produkte und überzeugende Dienstleistungen bieten. Wir stehen vor spannenden Aufgabenstellungen aller Größenordnungen, die von einer Vielzahl leistungsfähiger Unter­nehmen angegangen und gelöst werden können.

Dazu gehört auch die operative Nutzung des Internets, die allerdings noch in den Anfängen steckt. E-Business ist die Zukunft, aber eben erst Zukunft und nicht Gegenwart. Fluten von Lösungen, die in den letzten Jahren entstanden  sind,  harren der Konsolidierung oder  Integration. Also, liebe Auftraggeber: Aufhören zu jammern, nicht hinter dem Wirtschaftsteil der Tageszeitung verstecken. Lasst uns nach einem alten Tankstellen-Slogan gemeinsam die Aufgaben „anpacken“.

Nach diesem Motivationsappell an die Auftraggeber nun doch ein kleiner Schwenk zu den Entwicklern: Thema Benutzeroberflächen. Ein Graus ohne Ende. Ich bin immer wieder überrascht über die Leidensfähigkeit von Anwendern, die Jahr und Tag mit schreck­lichen Benutzeroberflächen arbeiten müssen. Benutzeroberflächen haben meiner Meinung nach auch mehr mit gesundem Menschenverstand als mit hochkomplexer Technologie zu tun. Und vielleicht ist gerade das ein Problem in der IT-Branche.

In vielen sogenannten Softwarelösungen werden selbst banalste Grundregeln durch designerische Klimmzüge im Stile einer Reli­gionsstiftung über den Haufen geworfen. Logische Zusammenhänge werden kreuz und quer über Dialogmasken verteilt und mit Pseudokomplexitäten begründet. Die Devise lautet: Kilometergeld mit der Maus! Manchmal wird auch nur ganz plump die relationale Datenstruktur an die Benutzeroberfläche gezogen. Warum nicht gleich mit dem Lötkolben die Daten eingeben? Übrigens: Buchhaltungspro­gramme stehen auf meiner privaten schwarzen Liste ganz oben.

Mancher Anwender ist sogar stolz, ein kompliziertes Programm bedienen zu dürfen. Da ist man gerne bereit, etwas Zeit zu investieren. Hauptsache, der Kollege versteht die geheimnisumwitterte Bedienung nicht.

Meine jüngsten Benutzeroberflächen-Erfahrungen durchlebte ich während eines Urlaubs in Amerika. Ich war gezwungen, ein Handy der Marke Motorola Timeport zu bedienen. Ein schwieriges Unterfangen, denn meine Denkstrukturen laufen offenbar vollkommen quer zu denen der Motorola UI-Designer. Mir ist unklar, wie man solch ein Gerät ungestraft auf den Markt bringen kann. Möglicherweise ist das Motorola Usability Lab eine Hühnerfarm und keiner hat´s gemerkt.

Ansonsten empfehle ich den Jungs und Mädels einen Urlaub in Finnland. Da ist man schon etwas weiter. Aber vielleicht sollten wir Euro­päer das für uns behalten. Das wäre ein Wettbewerbsvorteil.

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