Formate, Kategorien und Pillars

Der Mensch braucht einfache Raster, sonst verirrt er sich. Die Raster müssen von genialen Vordenkern ersonnen und dem einfachen Volk mitgeteilt werden – oder auch nicht. Im Fernsehen und Radio nennt man das Formate. Wir gucken und hören eigentlich nur noch ein halbes Dutzend Formate – Wetten dass? – Big Brother – ran – Radio Charivari – N-Joy Radio – alles Formate, optimiert zum Zweck des „verdaulichen“ Konsums.

3_2000

Die CeBIT hat auch einen hohen Strukturierungsbedarf. Wie soll sich der Mensch sonst in dieser Vielfalt nützlicher Dinge zurechtfinden und sie verdauen? Es beginnt mit der groben Aufteilung in einzelne Hallen und setzt sich im Detail bei den großen Ständen fort. Als Business Partner am Lotus-Stand hatten wir uns für eine Kate­gorie zu entscheiden, der wir als Aussteller zugeordnet werden wollten – CRM, ERP, ESS, SCM und UM. So setzt sich die Welt zusammen. Customer Relationship Management, Enterprise Ressource Planing, Employee Self Service, Supply Chain Management oder Unified Messaging – große Worte. Ob sie dem einzelnen Messebesucher eine Hilfe waren, weiß ich nicht. Aber schließlich sind wir nicht auf einer Landwirtschaftsmesse, sondern auf der weltgrößten IT-Messe. Da muss der Besucher auch sprachlich mal lernen, wo’s lang geht.

Ein bisschen peinlich ist es mir schon, das mit dem Employee Self Service habe ich immer noch nicht richtig verstanden: Angestelltenselbstbedienung – irgendetwas aus dem Werkskantinenbereich, Zigarettenautomaten oder gar andere Automaten? Aber was hat das mit Lotus Notes zu tun?

Die meisten Aussteller haben sich unter den Schirm CRM gestellt. Customer, das sind die Messebesucher, Relationship ist auch was Gutes, vor allem in den Abendstunden, und Management ist sowieso immer gut.

Die Vordenker von IBM haben übrigens Pillars ersonnen, um den Wust zu sortieren und der Welt eine Struktur zu geben. Pillars sind – damit sie jetzt den Langenscheidt im Regal lassen können – Pfeiler, Säulen. Als Business Partner bedient man Pillars, die einfachen
Busi­ness Partner einen Pillar, die großen mehrere Pillars. In der Schule habe ich mal etwas über ionische, dorische und korinthische Säulen gelernt. Die unterscheiden sich in den Schnörkeln. Ich denke, dass die IBM-Pillars alle ionisch sind – ziemlich schnörkellos.

Zurück zur CeBIT. Der Hallenmeister der Halle 2 hat übrigens ein ganz einfaches Raster. Die Rolltreppe zur Halle 1 war am Mittwoch um 18:30 Uhr abgeschaltet und eine Vielzahl von Ausstellern mussten ihr Geraffel die Treppe hoch tragen. Und wieso? „Die CeBIT ist vorbei, dann schalte ich die Rolltreppe ab!“, erklärte mir der Erfüllungsgehilfe der Messe AG. Das Geld ist im Sack, Ende der Dienstleistung. Ganz einfach. Versteht doch jeder.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Human or Computer? *