Von Chef zu Chef

Den steinigen Weg zum persönlichen ISDN-Anschluss beschreibt Jörg Allmann, Chef von Notes Development, in einem offenen Brief an den Chef der Deutschen Telekom: Sehr geehrter Herr Ron Sommer, Ihre Erfolge im harten Telekommunikationsmarkt finde ich ganz bewundernswert. Dennoch regen Ihre jubelnden Gewinn­mel­dun­gen sowohl Privatleute als auch Geschäftskunden eher zum Nach­denken an: Kommen die kurzfristigen Gewinne denn primär durch eine Reduktion der Serviceleistung zustande? Finanziere ich diese durch die hohen Telekom-Preise etwa mit?

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Ale Ergänzung zu Ihren Hochglanzstories möchte ich mich heute mal den Niederungen des Alltags widmen. Mit dem festen Willen, dem Fortschritt der Technologie zu folgen, habe ich mich auf den Weg zu einem ISDN-Anschluss begeben. Angeregt durch die Telekom-Werbung, die mir suggerierte, dass ein Leben ohne ISDN eigentlich gar keines ist, wollte ich eben diesen privaten Anschluss beantragen.

Tatort T-Punkt: Pro Mitarbeiter warteten drei bis vier Antragssteller. Deshalb forschte ich im Obergeschoß des Ladens nach weiteren „freien“ Beratern und wurde fündig. Allerdings stellte sich heraus, dass man hier nicht für mich zuständig ist. Zurückgekehrt ins Erdgeschoß  gelang mir zwar in einem netten Gespräch die Beantragung, die Fragen der Telekom-Dame führten mich aber hart an die Grenze meiner technischen Kenntnisse. Nebenbei gesagt: Anlagenanschlüsse sind offensicht­lich nicht das bevorzugte Metier meiner Gesprächspartnerin. Das Problem des Weiterbetreibens meiner analogen Geräte ist mir bewusst. Wie die Umstellung in der Praxis vollzogen wird, erklärte mir die Dame lapidar so: „Da kommt jemand bei Ihnen vorbei, die haben auch einen AB-Wandler dabei und installieren das.“ Mit einem NTBA verließ ich dann halbwegs aufgeklärt den T-Punkt.

In der folgenden Zeit tat sich nichts. Es kam weder eine Nachricht, noch kam einer vorbei, um sich nun um meinen ISDN-Anschluss zu kümmern. Still ruhte die See. Schriftliche Nachfragen meinerseits liefen ins Leere. Keine Reaktion. Eines Morgens wurde plötzlich die Umstellung auf ISDN zur Mittagszeit telefonisch angekündigt. Von einem Techniker vor Ort mit AB-Wandler im Gepäck war nicht die Rede. Meine Frau bat mich mit Nachdruck, für die Telefonierfähigkeit der Familie nach der Stunde NULL, sprich nach erfolgtem ISDN-Anschluss, zu sorgen.

Ich eilte zum nächsten T-Punkt und erkundigte mich nach einem AB-Wandler, um die Angelegenheit nun selbst in die Hand zu nehmen. „Die gibt’s nicht mehr. Die wurden wegen technischer Probleme vom Markt genommen“, erklärte die Telekom-Dame.

Trotz erhöhtem Adrenalinspiegels im Blut blieb ich ganz ruhig und versuchte in einschlägigen Elektronik-Geschäften eine Lösung zu finden. „Wir verkaufen nur noch ISDN-Geräte“, war die stereotype Antwort auf die Frage nach einem AB-Wandler. Was tun wohl andere Leute in meiner Situation?? Letzter Versuch: zurück zur Telekom!

Der nächste T-Punkt überraschte mich angenehm. Hier gab es erst­mals überhaupt keine Probleme mit AB-Wandlern. Meine Rettung? Der schmucklose Beipackzettel „Installationshilfe“ ließ allerdings nichts Gutes ahnen. Erforderliche technische Auskünfte bekam ich beim Kundendienst, glücklicherweise nur ein Haus weiter, eine Etage höher. Schnell zurück nach Hause. Ergebnis: Unter skeptischen Blicken meiner Gattin gelang die Installation nach 30 Minuten.

Innerhalb von drei Jahren hatten wir damit den kometenhaften Aufstieg von einem schlichten Telefon ohne Netzteil zu einem schicken Telefon mit Netzteil, einem NTBA mit Netzteil, einem AB-Wandler mit Netzteil, einer zusätzlichen Dreifach-Steckdose und einem wirren Kabelknäuel unter der Fensterbank geschafft.

So weit, so gut!

Vor wenigen Tagen war unser Anschluss nicht erreichbar. „Versuchen Sie es später nochmals“, lautete die nette Meldung für Anrufer. Bei der Störungsstelle empfahl man, den Stecker vom Netzteil des AB-Wandlers einige Minuten herauszuziehen und ihn dann einfach wieder hereinzustecken. Dieser vertrauenerweckende Tipp half tatsächlich.

Ich gehe davon aus, Herr Sommer, dass Sie sich mit solch niedrigen Tätigkeiten im Privatbereich nicht beschäftigen müssen.

Vielleicht aber denken Sie eines Tages an einen ganz normalen Bürger ohne abgeschlossenes Informatikstudium, der auf seinem Weg in die ISDN-Welt an der Telekom-Technik scheitern könnte.

Mit freundlichem Gruß

Ihr Jörg Allmann

Nachtrag, November  2008: Die Betreuungspraktiken der Telekom haben sich seitdem nicht geändert. Techniker können erstens leider nicht sagen, wann sie zwischen 8:00 und 17:00 erscheinen und zweitens kommen sie häufig nicht mal dann.

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