Patient totkonfiguriert

Der Gesundheitszustands meines Notebook spielt eine große Rolle in meiner täglichen Arbeit. Da die tägliche Arbeit mehr Lebenszeit in  Anspruch nimmt als mir lieb ist, wabert der Gesundheitszustand dieses schnöden Lenovo T420 auch in mein allgemeines Wohlbefinden. Überhaupt beeinträchtigt es die Work-Life-Balance, wenn eines dieser Mist-Geräte, mit denen wir uns umgeben, nicht richtig funktioniert. Ob es das Notebook, das iPad, das SmartPhone, der heimische Access Point oder der Kabelfernsehanschluß ist, wenn irgend etwas nicht rund läuft, schlafen wir schlecht. Vor einiger Zeit erlebte ich wegen eines mobilen TomTom-Navigationssystem, das den Dienst verweigerte, derart eisige Stimmung im Auto, daß man eine Stecknadel hätte fallen hören. Gerade diese wurde gebraucht, um ein hard reset des TomTom zu bewerkstelligen.

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Zurück zum Notebook. Der Gesundheitszustand meines Notebooks macht mir Sorgen. Mancher Freund würde mir raten: „Kauf dir ein Neues!“. Dadurch wird das Problem aber nicht gelöst. Der Grund für den kritischen Zustand ist die in den letzten Monaten flutartig angestiegene Installation von unterschiedlichen VPN- und Instant-Messaging-Produkten.

Mein unfreiwilliger Bedarf sieht wie folgt aus:

  • Cisco VPN Client zu Kunde A
  • Open VPN Client zu Kunde B
  • Check Point VPN Client zu Kunde C
  • Sophos SSL zum Zugang ins eigene VPN
  • IBM Sametime zur internen Kommunikation, EULUC und diversen Partnern
  • Skype als einziger Instant-Communication-Channel zu Kunde C und diversen Partner
  • Microsoft Lync als einziger Instant-Communication-Channel zu Kunde B

Die Widgets in  der Notes 9-Sidebar haben ebenfalls intensiven eigenständigen Kommunikationsbedarf. Sobald ich in irgendeines der VPNs abtauche, melden sie sich wütend mit der Forderung nach Credentials, die natürlich im Kunde-VPN nicht funktionieren. Bei manchen Programmen muss man x-mal Cancel drücken, bis es endlich Ruhe gibt. Anschließend jumpe ich über kaskadierte Terminalserver durch das Kunden-VPN. Ich könnte das stolz am abendlichen Küchentisch erzählen, aber das Interesse meiner Gattin an diesen Reisen durch die Netzwelt ist gelinde gesagt gering.

Jedes installierte Programm muß tausendmal am Tag über das Internet Kontakt mit dem Mutterschiff aufnehmen, um dann meinen Rechner mit diffusen Updates voll zu müllen. Ich könnte jedenfalls einen Fön-Großhandel eröffnen, wenn ich alle gefühlten Föns bekommen hätte. Ein besonderer Spaß besteht seit einigen  Wochen darin, daß bei allen möglichen Aktionen der Lync-Client hochpoppt. Wie Kai aus der Kiste. Keine Ahnung mit was das zusammenhängt. Und zur Feier des Tages gibt es dann mal wieder einen Bluescreen. Manchmal bekomme ich den Bluescreen nicht sofort mit, da er sich auf dem Notebook am Rande meines Blickfeldes abspielt, während ich noch verzweifelt mit der Maus auf dem großen Bildschirm herumfuchtele. Schreikrämpfe sind die unweigerliche Folge. Mein Leib-Admin kommt mit den Herztabletten angerannt und versucht das Schlimmste zu verhindern. Ein Defibrillator steht im Investitionsplan. Vielleicht läßt sich auch ein Gerät in einer U-Bahn-Station abmontieren, aber die sind Kamera-überwacht.

Unterm Strich ich habe nicht das Gefühl, daß ich IT-mäßig heute solider unterwegs bin als vor einigen Jahren. Man nennt es wohl Fortschritt.

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